2. Mai 2018

Wer ist unfehlbar?


Über einen alten griechischen Philosophen ist eine Legende bekannt.
Einige seiner Schüler überraschten ihn bei einer unmoralischen Tat. Dabei ist nicht bekannt, was dies für eine Tat war, der Fantasie ist da Tür und Tor geöffnet.
Seine Schüler wurden furchtbar wütend. »Ausgerechnet Du – der uns in Fragen philosophischer Ethik und Moral erziehst – wie kannst du nur?!«
Der Philosoph nahm es gelassen: »Also, ich lehre euch doch auch die Grundlagen der Trigonometrie! Sehe ich deshalb aus wie ein gleichschenkliges Dreieck?«

Warum eigentlich ist es anstößig, wenn unsere Vorbilder, unsere Eltern, unsere geistlichen oder politischen Persönlichkeiten sich in unseren Augen unmoralisch aufführen? Sie sind doch auch Menschen, wie auch wir selbst anfällig dafür, Fehler zu machen. Was hebt sie denn darüber hinaus?
Der Zwiespalt zwischen ihrer vorgeblichen Selbstverwirklichung und ihrem vielleicht lasterhaften Benehmen passt uns nun überhaupt nicht. Weil wir uns ein anderes Bild von ihnen gemacht haben - oder weil wir es uns nicht vorstellen können, dass sie auch Fehler machen können?


Spirituelle Ausrichtung kann sehr erfreulich und aufregend sein; ein persönliches Laster aber aufzugeben, ist weniger glanzvoll und überhaupt nicht erfreulich. Es ist verführerisch, unsere eigene Selbstzufriedenheit durch übertriebene Aufmerksamkeit bei unmoralischem Verhalten anderer Menschen wachsen zu lassen, anstatt es bis zum Ende zu bekämpfen. Geistiges Vorankommen wirkt nicht, wenn es nicht mit ernsthafter Impulskontrolle und Selbstdisziplin einhergeht!

Es ist so eine Art ›inneres Opfer‹, das nicht leicht ist, darüber hinaus auch für die Öffentlichkeit nicht sichtbar ist.
Unser Geist mag ja ausgiebig von innerer Erhabenheit träumen - unsere Füße stecken immer noch im Schlamm des normalen Lebens fest! Es gibt einfach auf der ganzen Welt auch nicht einen einzigen Menschen, der sagen könnte, dass er ›vollkommen‹ sei!
Denken, dass man es gern wäre, ist immer erlaubt.
Die Quote der Möglichkeit jedoch liegt bei weniger als 0,01 %.

©by Wildgooseman

Kommentare:

  1. tja lieber Horst bei unseren sog. VORBILDERN meinen wir - wünschen es uns oder erhoffen dass sie weitgehenst fehlerfrei sind, über den Dingen stehen, souverän sind, der Ehrerbitung würdig die wir ihnen gerne geben, doch warum erheben wir sie auf so einen Sockel?
    Hinterfragt wird es wahrschenlich nie, man tut es einfach -
    anerzogen - vielleicht?
    abgeguckt - eventuell - Vorbilder sind einfach dazu da ein gewissen Vorbild zu sein,
    vielleicht wünschen wir sie und ja auch als LEITBILDER
    oder hilfreiche Brücke um etwas zu lernen..
    dass auch sie nicht fehlerfrei, - weil Menschen sind - wollen die meisten nicht wahrhaben, sie sind es dennoch - egal wie alt, egal
    welche Institution sie verkörpern,
    vorm Professor verneigt man sich gern weil sie Kapazitäten auf ihrem gebiet sind,
    ist es Ehrfurcht oder Furcht die uns zur Verneigung bringt, - oder der Respekt?
    den hat man sowieso vor jedem anderen gegenüber egal ob Vorbild oder nicht.
    Wenn sie "gut sind, nimmt man gerne die Eltern...
    ich mach mir mal weiter gedanken darüber, dir danke ich für den Anstoß dazu..
    herzlichst Angelface

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja Engelchen, wie öde wäre doch die Welt, wenn wir alle fehlerlos wären.
      Ich mag mir das gar nicht vorstellen. Alle Romanautoren müssten am Hungertuch nagen (wenn sie es nicht schon tun).
      Ich bleibe lieber, wie ich bin: Voller Irrtümer und Ausrutscher nach allen Seiten ...
      Herzlichen Dank,
      Horst

      Löschen

[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]