2. November 2017

Gewinner und Verlierer

Der Lauf ist beendet, das Zielband erreicht. Alle feiern jubelnd den Sieger, der nun endlich feststeht und bekannt gegeben werden kann.
Es war ein spannender Lauf und so manches unerwartete Ereignis brachte auf diesem langen, anstrengenden Lauf Umwälzungen, die so nicht voraussehbar waren.
Bei der Verpflegungsstation beispielsweise auf halber Strecke gab es so manche Rangeleien, die Ordnungskräfte hatten alle Hände voll zu tun.
Natürlich wurde das Durchschnittstempo im Verlauf des Rennens dann doch etwas geringer, der Kräfteverschleiss war schon enorm. Manch einer der Läufer gab unterwegs auf, weil er seine Kräfte überschätzt hatte.
Bei der Hälfte der Strecke setzte sich eine Handvoll Läufer vom Feld ab, legte einen Zwischenspurt ein, bis sich endgültig der spätere Sieger auch von diesen Ausreißern trennte und ganz allein dem Ziel entgegenwankte.
Das Ziel? Dieses Ziel, war es das wert? Das Ziel wurde erreicht, ist das nicht auch ein Sieg? Erster? Letzter? Was zählt da die Reihenfolge. »Dabei sein ist alles!«, hiess einmal ein Schlagwort, neben »Citius, Fortius, Altius« als olympische Gedanken.
Ja ich weiss, das ist schon lange her, dieses Wort wird heute nur noch in  den Mund genommen, wenn jemand aus einem fernen exotischen Land als 386. ins Ziel kommt. Dann nehmen Moderatoren von Funk und Fernsehen gern diesen Satz in den Mund. Mitleidig wird erwähnt, dass Jerome Ataxères ebenfalls angekommen ist.
Gezählt wird aber nur der erste Platz, wer Zweiter wird, hat schon verloren! Der Lauf ist beendet, der Sieger geht erschöpft, aber glücklich nach Hause.
Und die Verlierer? Was ist mit den Verlierern, haben sie nicht auch gelitten unterwegs auf der Strecke?

Als sie Seitenstechen bekamen, als die Beine plötzlich nicht mehr gehorchen wollten, als der Kreislauf schlappmachte, als das Herz anfing zu rasen? Als sie sich auch selbst überwinden mussten, um weiter zu laufen und nicht wie viele andere einfach aufgaben? Was ist nun mit jenen?
Gewiss, sie werden es noch einmal versuchen können, irgendwann. Wieder wird dann dieser unerträgliche Druck auf ihnen lasten, weil ja nur der Sieg allein zählt, ist im Grund alles andere gleichgültig.
Es ist auch unwahrscheinlich, dass es das nächste Mal für den ersten Platz reichen wird!
»The winner takes it all!« hieß einmal ein Schlager, den die Gruppe ABBA sang.
Der Gewinner bekommt alles. Beifall, Preisgeld, Lob, Anerkennung. Für die Masse der Verlierer bleibt nichts mehr übrig. Vielleicht ein mitleidiges Lächeln, eine Geste des Bedauerns - nun, es hat eben nicht gereicht.
Etwas Gutes kann man aber den Verlierern doch mit auf ihren zukünftigen Weg geben: Der Gewinner, mag er heute noch so hoch gehandelt werden und in aller Munde sein, mag er auf allen Titelblättern der Gazetten zu sehen sein - er ist spätestens übermorgen schon vergessen! Dann nämlich gibt es einen neuen Gewinner. Und alles geht wieder von vorn los.
»Morituri te salutant!« So grüßten einst (nach Sueton) im alten Rom die Kämpfer den Kaiser. Die Todgeweihten grüßen dich. Gut, dass es wenigstens das nicht mehr gibt!

©by Wildgooseman

Kommentare:

  1. Aus meiner Sicht sind Menschen auf der Jagd nach Erfolg, Anerkennung und Ruhm die eigentlichen Verlierer, da können sie noch so viele Trophäen sammeln und Besitz anhäufen. Im Grunde tun mir diese "Gewinner"-Menschen sogar leid, weil ihnen etwas ganz Wesentliches fehlt.

    Hab einen angenehmen Tag, lieber Horst, und sei herzlich gegrüßt von
    Laura, die sich jetzt auf einen ausgedehnten Spaziergang mit den Hunden in Gottes schöner Natur freut :o).
    Mach's gut !

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  2. Der angenehme tag geht voll zurück - liebe laura! Und lass deine wauwaus nicht so lang in der kälte laufen …
    Grüße von
    Horst

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]