14. November 2017

Entschuldigung, oder?

 

Liebe Freundin, lieber Freund, du lebst auf dieser wunderschönen Erde und freust dich deines Lebens. Du bist zufrieden mit deinem Dasein, wünschst dir eigentlich nur, dass alles so bliebe, wie es gerade ist.
Dann aber, eines schönen Tages, vermisst du deine Vergangenheit. Gestern - wie lange ist das schon her? Wo blieb das Gestern? Wo die Kindheit, wo die Freunde der Jugendzeit? Auf dem Weg des Lebens, diesem verschlungenen Pfad des menschlichen Daseins, ging so viel verloren. Wo blieben die Hoffnungen, die du hattest, als du noch jung warst?
Vermisst du diese vergangenen Zeiten? Warum?
Es ist unnötig. Du hast neue Erlebnisse gehabt, neue Freunde gefunden, eine neue Liebe, die der »ersten« Beziehung auf jeden Fall überlegen ist, weil sie dich als das sieht, das du heute bist: Ein lebendiges Wesen mit Stärken und Schwächen, mit Erfahrungen, die nicht mit Gold zu bezahlen sind, denn du hast aus ihnen gelernt!

Es ist aber auch möglich, dass du nur vergessen hast, dem Gestern Adieu zu sagen. Es kann sein, dass du damals Worte nicht gesagt hast, die du hättest sagen sollen, nicht wahr? Vielleicht war es nur ein kleines Wörtchen: »Entschuldigung«? Und nun ist es zu spät, der Mensch, für den es bestimmt war, ist nicht mehr da, lebt vielleicht nicht mehr.
Ist es wirklich zu spät? Nein, ich denke nicht.
»Das gesagte Wort kann man nicht zurückholen!«
heisst es in einem Aphorismus. Das ist auch richtig, aber das nicht gesagte kann man immer noch aussprechen, kann man zu jeder Zeit noch loswerden. Notfalls vertraut man es einem Blatt Papier oder der Tastatur des Computers an. Auch wenn es vielleicht den Adressaten nicht mehr erreicht: Dir selbst hilft es, dein Gewissen zu erleichtern. Ist das nicht schon viel wert? Zeigt es dir doch, dass du ein Mensch bist, der sicher viele Schwachstellen in seinem Leben hat, der möglicherweise aber durch Umstände daran gehindert war, sich zu äussern. Wenn du das nun änderst, zeigst du dir - und damit auch den Anderen - dass du Fehler zugeben kannst (auch wenn es vielleicht schwer fällt.)


Du kannst es. Platon, der griechische Philosoph sagte einst:
»Die Wahrheit liegt nicht in den Worten, sondern zwischen ihnen.«
Spürst du die Erkenntnis, die in diesen Worten liegt? Natürlich empfindest du es. Wenn es aber so ist, solltest du eines wirklich nicht tun:
Warten, obwohl du nicht mehr warten müsstest!
Etwas wissen, aber nicht ausführen, obwohl es wichtig wäre, es zu tun, kann nicht positiv sein. Es belastet dich selbst und deine Beziehung zu dem betreffenden Menschen! Du wirst es sicherlich nicht gleich wahrnehmen, aber irgendwann in deinem weiteren Dasein kommt es wieder auf dich zurück. Dann stehst du wieder am Beginn, wirst dich wiederum fragen: Wie war es doch damals, warum habe ich nicht so reagiert, wie ich es wollte?

Wir alle, das behaupte ich einfach, sehnen uns oftmals zurück in eine Situation, die überschaubarer ist als jene, in der wir gerade sind. Das dies aber nicht der Weisheit letzter Schluss ist, wissen wir nur zur Genüge. In unserem Dasein geht es zu wie in einer Schachpartie: Ein falscher Zug zeigt Auswirkungen, die verheerend sein können. Ich bin überzeugt, wenn du genügend in deiner Vergangenheit forschst, wirst du gewiss solche »Züge« finden. Mir jedenfalls geht es manchmal so. Dann fallen mir bei etlichen Gelegenheiten Situationen ein, bei denen ich mich frage: Wie war es denn damals? Und schon wäre eine adäquate Lösung parat.
Aber das ist eben nicht der »Deus ex machina«, ist es deshalb nicht, weil die Ausgangslage eine andere war. So geschieht es, dass ständig neue Verhaltensstrukturen auftreten die auch ständig neue Auswirkungen haben. Es ist also nicht richtig, ständig in der Vergangenheit zu schürfen. Es kann keine Vergleichsmöglichkeiten geben! Gestern ist Gestern und Heute ist Heute. Glaubst du, morgen wäre es anders? Nein. 
Es ist somit wichtig, was du heute tust! Wenn es nötig sein sollte, sag ruhig: »Verzeihung!« 
Du vergibst dir nichts dabei, es macht dich nur sympathischer!
»Das gesagte Wort kann man nicht zurückholen!« Wie wahr. Aber dieses Wort dürfen wir ja auch stehen lassen, weil es auch unserer Wahrheit entspricht!

©by Wildgooseman


Kommentare:

  1. ein wunderbar Beitrag zum Wort und der Tat Entschuldigung zu sagen, wobei ich irgendwie - instinktiv davon überzeugt bin, egal ob man es laut, leise oder direkt dem Gegenüber ausspricht, es wird gehört wenn man es nur an einen anderen denkt.
    verzeihung - Entschuldigung, sorry - ich habs nicht so gemeint ist immer mehr als nur eine Geste wenn es aus ehrlichem herzen kommt, es wird oft
    viel zu spät ausgesprochen....
    ich danke dir für diese deiner gedanken...
    lieben Gruß lieber Horst
    angelface...

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  2. Verzeihung: Ein schönes Wort, nicht wahr?
    Ich versuche, es so oft es geht zu gebrauchen, ohne dass es abgenutzt erscheint.
    Du hast den guten Bezug dazu gefunden,Engelchen, und das ist schön!
    Wünsche Dir noch einen wunderschönen (nebelverhangenen) morgigen Tag,denn das verlockt zum TRäumen!
    Ich grüße Dich -
    Horst

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  3. Lieber Horst,
    Deine Worte begeistern mich immer wieder.
    Lieben Gruß
    Poldi

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    1. Danke Dir, Lemmie! Ich hoffe, bei Euch in Wien ist besseres Wetter, hier liegt der Nebel über dem Land ...
      Aber nicht bei mir ;-)
      Horst

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]