20. Oktober 2017

Sonnenlichtspiele


Die Sonne badet genüsslich im Wasser des kleinen Sees. Tausend irisierende Tröpfchen erscheinen wie farbige Bildchen in einem Kaleidoskop von bunten Spiegeln. Die feine Rahmung ergibt sich aus dem bewachsenen Uferrand, Simsen und Binsen strecken ihre grünen Stängel aus dem Wasser heraus, Insekten aller Arten bevölkern deren schmale Blättchen, die sich sanft im Winde bewegen.
Der Versuch, das Bild der Sonnenscheibe mit der Hand ergreifen zu können ist eine wahnwitzige Vorstellung. Wer könnte den hellen Sonnenglanz auf dem Wasser ergreifen,  denn indem er sie zu erfassen sucht, verschwindet sie in der Unendlichkeit der Tiefe, bricht sich in Kaskaden des Lichts, ohne ihre Gestalt wieder anzunehmen.
Das Unterfangen ist zum Scheitern verurteilt, der Blick beruhigt sich erst wieder, als die Sonne wiederum auf dem Wasser spiegelnd, das alte Bildnis wiederherstellt. Sonnenlicht auf dem klaren Wasser, unangreifbar und dennoch stets vorhanden. Welch eine Verbundenheit der Elemente in der Natur.
Ein Wasserläufer zieht seine Bahn auf der Oberfläche, ohne dabei das Bild der Sonne zu zerstören. Mit seinem  minimalen Gewicht schafft dieses Geschöpf etwas, das niemand kopieren kann, weil es die Oberflächenspannung des Wassers für seine Fortbewegung ausnutzt.
Das Bild der Sonne spiegelt sich noch so lange auf der Wasseroberfläche, wie die Sonne selbst ihre Reise  fortsetzt. Wenn sie den Horizont erreicht, nimmt sie dabei ihr Spiegelbild mit sich, so wie sie auch das Licht in Dunkelheit verwandeln wird.
Der Wind frischt ein wenig auf, das Spiegelbild verzerrt sich nun in vielen Kräuselungen zu einem wirren Durcheinander von Linien und Punkten, verteilt sich über den ganzen Wasserspiegel. Viele Spiegelbilder konkurrieren nun auf der Fläche des kleinen Sees, vereinigen sich zu einem großen Etwas um kurz darauf wieder als eine Einheit die Wasserfläche zu beleben.
Der See ist lebendig in seiner Schönheit, er zeigt in der Verbindung mit dem Sonnenglanz die Vereinigung der Elemente in höchster Vollendung. Beides miteinander verbinden zu können bleibt ein nicht erfüllbarer Wunschtraum des Menschen. Warum auch?
Gerade die Rätsel der Natur bringen uns doch dem Schöpfer nah. Man darf manches nur erahnen, denn wer alles weiß, hat nichts mehr, von dem er träumen kann.
 Sonne, Wasser, Schattenspiele, die Natur schenkt uns unentgeltlich, ohne etwas dafür zu verlangen, Schönheit und Vollkommenheit in reichem Ausmaß. Wir müssen uns nur in der Hektik unseres Lebens ein wenig Zeit nehmen, um dieses zu erkennen.
Ein Blick in unsere Gärten oder öffentliche Parks offenbart uns doch all das, wovon der Mensch träumt. Hat man nicht schon oft dem Gaukeln der Schmetterlinge an einem herrlichen Sommertag nachgeschaut?  Den Hummelflug bewundert, wie diese reichlich schweren Insekten mit relativ kurzen Flügeln trotzdem lange Strecken zurücklegen können? Diese kleinen Wunder der Natur bringen uns doch dem näher, dem wir einst selbst entstanden sind.
Kennst du die sanften Wellenbewegungen eines Kornfeldes, das sich bei leichtem Wind wie eine Meeresdünung verhält und einen leichten Schleier über sich breitet, der durch Bestäubung hervorgerufen wird? Wenn du das einmal sahst, kommst du aus dem Staunen nicht mehr heraus.



Die Sonne, das Wasser, die Luft - das sind die Lebensspender unserer Welt!  Mag man darüber streiten, was zuerst da war: Das Ei oder die Henne - was ändert das am Leben? Mag der Eine auf die Religion schwören, während der Andere die Naturwissenschaften bemüht - was ändert es daran, dass unsere Welt schön ist, dass sie tausend Wunder aufweist, die wir schon nicht mehr wahrnehmen!
Vergessen wir letztlich eines nicht dabei: Diese unsere schöne, natürliche, einmalige Welt ist dabei, zugrunde zu gehen.
Und daran ist nicht die Sonne schuld und nicht das Wasser und nicht die Luft, sondern ganz allein der Mensch!
Im 1.Buch Mose heisst es: Machet Euch die Erde untertan. Das ist Verantwortung in höchster Potenz. Ob wir nun Atheisten sind oder einer Religion angehören, ob wir schwarz sind oder weiss oder wie auch immer!
Eine zweite Erde haben wir nicht in Reserve ...

©byWildgooseman

Kommentare:

  1. eine zweite Erde haben wir nicht in der Reserve" schreibst du und das ist wahr, doch viele wollen das in all ihrer Alltagshetze alles für sich zu erreichen! - nicht wahrhaben und nicht wahrnehmen.
    du beschreibst wundervoll poetisch die Schönheit unserer noch vorhandenen Natur, man fragt sich doch oft: warum gehen wir so grußlos an ihr vorbei, wo bleibt die Dankbarkeit dass wir sie überhaupt noch haben...
    ein wunderschöner sehr inniger beitrag voller Emotionen lieber Horst, eine Wohltat dies am frühen Morgen zu lesen, ich danke dir dafür sehr..
    lieben Gruß in diesen schönen Gedankenraum...
    herzlichst Angelface

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  2. Vollkommen richtig, Angel, die Gleichgültigkeit der Menschheit ist erschreckend.
    Ich ertappte mich neulich, dass ich einen kleinen Käfer fast(!) einfach zertreten hätte.
    Sind wir Menschen so egoistisch geworden? Möge der Himmel uns das verzeihen ...
    Liebe Grüße an Dich zum Wochenende - den Regen würde ich gern abstellen, ich finde nur den Absperrhahn nicht ...
    Horst

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  3. Zu Herzen gehend, deine Schilderung, lieber Horst.
    Leider neigen Menschen dazu alles als selbstverständlich zu betrachten und das ist es keineswegs. Unser Planet Erde mit seiner wunderschönen Natur, ist ein einziges großes Wunder. Aber es gibt auch solche, die diese vielen, kleinen Wunder zu schätzen wissen und sich noch auf das Wesentliche besinnen können.
    Traurig ist die Tatsache, dass in den letzten zwölf Jahren 75% unserer Insekten ausgestorben sind. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, welche Folgen das für uns Menschen weltweit hat.
    Ja, die überwiegende Mehrheit der Menschen ist egoistisch und auf dem besten Weg, diesen Planet zu zerstören, wohlwissend, dass keine Fluchtmöglichkeit zu anderen Planeten möglich ist. Konsumieren geht über alles - koste es was es wolle - und wenn es der eigene Lebensraum ist. Dumm - oder ?
    Danke für deine Gedanken, die ich sehr zu schätzen weiß.
    Hab ein angenehmes Wochenende und sei herzlich gegrüßt von
    Laura, die immer wieder gerne hier liest.

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  4. Wir alle sind Teile der Schöpfung, liebe Laura, (wem man auch immer diese anlasten will) und maßen uns an, über alles herrschen zu wollen. Schlimm, nicht? Aber wir werden es nicht schaffen, die Natur gänzlich zu besiegen - aber wir machen sie ärmer, die Arten werden weniger. Erfreuen wir uns an dem, was noch sichtbar ist und helfen mit, dass die Eintönigkeit nicht weiter Einzug hält in unserem Naturleben.
    Das wünsche ich uns allen -und Dir noch einen wunderschönen Sonntag,
    Horst

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  5. Ich würde mir wünschen, die Natur würde sich mit aller macht wehren und zurückschlagen.Das tut sie in gewisser Weise nur sie ist nie Sieger.
    Dein Post öffnet die Augen, hoffentlich für alle die blind sind.
    auch der Regen bringt Segen und wir sollten dankbar sein, nur es regnet nicht da wo es dringend nötig wäre.
    Liebe Grüße in meine Heimat,und zu Euch Klärchen

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  6. Ach Klärchen - schön ist es doch überall, ob hier in OFr oder sonstwo, man muss die Natur und das Land nur lieben, dann zeigt es sich immer wieder in seiner Schönheit!
    Wir sollten es genießen, wann immer es geht, meine ich auch.
    Liebe Grüße, Horst

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]