8. Oktober 2017

Nachruf.


Der Sommer ist gestorben. Hattest du das nicht mitbekommen? Oh, das wundert mich aber; du hattest immer solch ein gutes Verhältnis zu ihm, und dann bekamst du keine Nachricht?
Ja, er ist in der letzten Woche von uns gegangen, aber glaube mir, es war kein stiller Abschied! Sturm und sintflutartiger Regen, dazu Temperaturen im unteren Celsiusbereich. Es war wirklich keine leise Angelegenheit.
Vorausgesehen?
Natürlich hatte man es vorausgesehen, was denkst du denn, aber irgendwie kommt es immer so plötzlich, nicht wahr? Aber man muss doch weitermachen, da beißt keine Maus einen Faden ab.

Ob mir das etwas ausmacht? Nun ja, ich lebe ständig mit der Tatsache, dass es einmal vorbei ist. Es ist schließlich der stetige Ablauf eines jeden Jahres, nicht wahr? Das Ableben gehört genau so dazu wie das Neuwerden! Geburt und Tod sind unumkehrbare Tatsachen, die wir niemals ändern können.

Der Sommer starb also in der letzten Woche, er ist ganz einfach ertrunken in den kalten Güssen, die Mutter Klimata ihm gegeben hat. Ja gut, ich weine ihm auch ein paar Tränen nach, es wäre gelogen, wenn ich das verneinen wollte. Es waren doch wirklich eine Reihe von schönen Tagen dabei - wenn ich da an den Urlaub denke! Aber hilft mir das weiter? Ich kann nun bestimmt nicht allem Schönen hinterher laufen, nur um dem Negativen aus dem Weg zu gehen.

Nein, ich weiß das nicht, wann die Abschiedsfeier sein soll. Wer bestimmt das wohl? Ich habe keine Ahnung. Würdest du denn auch kommen?
Natürlich bin ich dabei, ich habe schon ein hübsches Blumenarrangement bestellt: Blümchen, wunderschön drapiert mit rotem Weinlaub.

Die Rede? Keine Ahnung, wer die hält. Warum ich? Nein, das schmink dir ruhig ab, ich kann da nicht reden. Ich hatte dem Winter damals schon eine Erinnerungsansprache mitgegeben, erinnerst du dich?
Ja, genau, das waren die Worte damals: »Kurz ist die Zeit usw
Nein, meine Liebe, dieses Mal soll das schon ein Anderer machen.
Ja, nun ist er dahingegangen, der Sommer, vor einigen Tagen noch machte man Witze über ihn, nicht wahr? 
»Er fand an einem Dienstagnachmittag statt, zwischen 14 und 17 Uhr!« las ich da noch kürzlich.

Nein, du hast vollkommen Recht, das hat er nicht verdient, er tat alles, was in seiner Macht stand, er wollte uns gefallen; gegen höhere Mächte jedoch konnte er nichts ausrichten.
Nun, wir werden ihn in Würde verabschieden, nicht wahr? Ich jedenfalls behalte ihn im Gedenken an schöne Tage. Das war er mir wert, denn ich habe ihn geliebt.

Vorhin traf ich seinen Bruder Herbst. Auch ein ganz famoser Geselle, mit dem kann man auch ganz gut auskommen, glaube ich.
Lass uns das Beste dazu tun, einverstanden?

©byWildgooseman

Kommentare:

  1. welch ein hübscher nostalgisch liebevoller Abschiedsbrief an den Sommer, er gefällt mir, in ihm steht schließlich wie sehr man ihn liebt und ehrt.
    Wie ein Zwiegespäch gestaltest du ihn mit einem wehmutsvollen Lächeln, er wird sich zur Ruhe legen, einschlafen und sich erholen und dich im nächsten Jahr wieder gestärkt und neu - aufsuchen...
    Grüß ihn bitte lieb von mir,...
    herzlichst Angel

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  2. Ja Engelchen, das werde ich bestimmt tun. (wenn ich ihn denn nochmal sehe?)Und bis dahin auch für dich liebe Grüße - von mir!

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]