22. Oktober 2017

Gleichung: 2 - 1 = 0


Welch eine Gleichung. Lösbar? Jeder Mathematiker wird seinen Kopf schütteln und »welch ein Unsinn« murmeln.
Frag aber einmal einen Menschen, der von seinem Lebenspartner getrennt wurde. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob freiwillig, unfreiwillig oder durch den Tod.
Zwei weniger Eins ist Null
Wenn aus einem fest gefügten Verbund ein Teil herausgelöst wird, bleibt eine Lücke. In der Natur der Dinge liegt es, dass bestehende Lücken so schnell wie möglich wieder geschlossen werden. Selbst in biologischer Hinsicht wird beispielsweise das Zellmaterial eines lebenden Körpers, menschlich oder tierisch (so weit es noch möglich ist) wieder aufgebaut. Das geschieht ebenso bei vielen Pflanzen und Baumarten. Die Natur, das heisst alle Dinge in der natürlichen Abfolge werden von sich aus immer wieder - und fast ohne Ausnahme - ein fehlendes Glied ersetzen.
Wie grundverschieden ist das doch im menschlichen Leben! 
Bei Verbindungen zwischenmenschlichen Ursprungs kommt da eine völlig andere Sachlage ins Spiel. Hier geht überhaupt nichts »so einfach« weiter. Da bedarf es schon massiver Hilfe von aussen (oder vielleicht auch durch zeitlichem Abstand?), um die Dinge wieder ins rechte Lot zu rücken.
Diese NULL aus der Gleichung wird sich erst nach und nach wieder auffüllen (können); das wiederum hängt mit der Enge der Verbindung zusammen, die vor der bewussten Trennung herrschte. Bei einigen Tierarten beispielsweise ist die Treue lebenslang auch über den Tod hinaus bewiesen!


Aus menschlicher Sicht mag das eine Lösung sein, es ist aber die denkbar schlechteste für den oder die Zurückbleibenden. Soll dieser sich nun im Stil der altindischen Witwenverbrennung selber opfern? Das kann wirklich nicht der Sinn sein. Wem sollte das nützen?
Für die zweite »1« aus der Gleichung wäre es doch das Ende allen vernünftigen Lebens. Kann das die erste »1« wollen? Mit anzunehmender Sicherheit: bestimmt nicht! Und wenn doch: Hat das noch etwas mit Liebe zu tun? 
Soviel Egozentrik mag ich mir gar nicht vorstellen, wenngleich es das bestimmt auch in der Realität gibt.
Ich stelle mir vor, ich würde meine Lebensgefährtin allen Ernstes so fest an mich binden, dass ihr eine spätere neue Beziehung nach meinem Tod nicht mehr möglich ist - (wie immer so etwas Unmögliches machbar sein sollte) - es wäre dann die wahnwitzige Tat eines Irren, die niemals zu entschuldigen sein sollte!


2 - 1 = 0 ? Ich weigere mich, solch eine Gleichung anzuerkennen! Ich stelle dafür die Gegenrechnung auf: 2 - 1 = 1 + x¹ = 2 !

Das jedenfalls ist ein Ergebnis, das allen gerecht wird und auch jede menschliche Regung beinhaltet.
Die Lösung:
                                   Die Liebe
                              ______________  = Unser Leben
                              die Unbekannten

©byWildgooseman

Kommentare:

  1. Hallo, lieber Horst, wieder so ein interessanter Gedanke.
    Es gibt allerdings noch ein anderes erstaunliches Mathematikergebnis – 1 + 1 = 0 !
    Dieses Ergebnis scheint heutzutage viel öfter zuzutreffen, als man vielleicht annimmt. Nämlich dann, wenn zwei Menschen aufeinander treffen, die jeweils einen Lückenfüller suchen. Nicht umsonst sind die Scheidungsraten heutzutage so hoch. Auf dem Land wird jede dritte Ehe geschieden – in der Stadt sogar jede zweite.
    Insofern ist es ein großes Glück, wenn das Ergebnis 1 + 1 = 1 ist und 1 – 0 = 1 bleibt.
    Na ja, vielleicht ist mein Gedanke auch ein wenig verwirrend. Treue über den Tod hinaus zu erwarten ist wirklich absurd – wobei Liebe auch über den Tod hinaus andauert – man kann sie eben nicht einfach per Knopfdruck abstellen.
    Einen herzlichen Gruß mit einem Augenzwinkern sendet dir
    Laura, der manchmal etwas irre Gedanken durch den Kopf gehen ;o).

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  2. Hi Laura - ich mag irre Gedanken. Vielleicht weil ich selbst auch oft an ihnen festhalte.
    Egal, besser wirr denken als gar nicht!
    meint mit liebem Gruß
    Horst

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]