16. September 2017

Gemeinsam in der Welt?


Wer möchte es bezweifeln, dass wir in einer Zeit des geistigen Umbruchs leben? Niemand könnte das infrage stellen. Dazu kommt noch, dass dieser Wandel sich nicht nur auf einen begrenzten Bereich erstreckt, sondern eine globale Frage ist. In dieser ganzen Thematik kommt dabei jedoch zum Tragen, dass Ursprung und Ziel all dieser Fragen in jedem Teil der Erde völlig unterschiedliche Gründe und damit auch Auswirkungen hat.
Die christlich geprägte Welt unserer Hemisphäre macht gerade eine zweite Phase der Aufklärung durch, in der Normen und Verhaltensweisen ständig aufs Neue infrage gestellt werden und jederzeit täglich neu diskutiert werden.
Die islamische Welt dagegen hat im Grunde genommen noch nicht einmal mit der ersten Entwicklungsperiode richtig begonnen!
Hier gilt immer noch mit dogmatischen Verhärtung eine überlieferte Tradition, die keinerlei Widerspruch duldet.
In der westlichen Welt haben ideologische Systeme wie Kommunismus und Faschismus im Wesentlichen abgewirtschaftet, (wenn auch der Letztere scheinbar wieder Oberwasser bekommt); in der östlichen Welt wiederum erfährt der Islamismus als Heilslehre einen neuen Dogmatismus mit Auswirkungen auf die Gesellschaft, die bedrückender nicht sein kann. Wenn die Scharia als politisches Instrument der Herrschaft gilt, wird die Menschlichkeit auf der Strecke bleiben.
Für diese Entwicklung sind mehrere Gründe verantwortlich. Der Hauptgrund aber dürfte sein, dass aufgrund der Globalisierung weltweit und der Vernetzung durch Medien aller Art alles Geschehen überall in Sekundenschnelle bekannt wird. Dazu kommt noch, dass die Auswirkungen all dieser Geschehnisse in jedem Winkel der Welt spürbar werden.
Dies gilt für kriegerische Vorgänge jeder Art, ebenso für Hungersnöte in vielen Ländern der Erde. Der Irak, Bangladesh, Somalia und der Sudan z.B. sind nicht so weit entfernt, wie sie noch vor hundert Jahren schienen. Durch unsere Beschleunigung der Verkehrswege rücken die Völker optisch und auch real immer näher zusammen.
Die Menschheit lebt weder ethnisch noch politisch oder religiös in abgeschotteten Grenzen. Außerdem ist die Zeit, in der jedes Land ökologisch oder ökonomisch autark leben konnte lange vorbei. Die sogenannten »Inseln der Glückseligen«, auf der jeder nach seiner Art leben und wirken konnte, gibt es einfach nicht mehr.


Die Bedrohungen durch die Urgewalten der Natur oder auch der staatlichen Mächte, die ihre Einflusssphäre ständig ausdehnen wollen, hat allem ein Ende bereitet.

Lange Zeit gingen die hegemonialen Ansprüche von Russland und den USA aus. Im Laufe der Zeit sind es nun Indien und China, die ihre weltweiten Ansprüche anmelden; aber auch der Iran als Vorkämpfer des islamischen ideologischen Weltbildes steht bereit, um Machtkämpfe für sich zu entscheiden.
Für die Staatsmänner der Welt ist es vielleicht noch möglich, die Unterschiede zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Armut, eventuell auch zwischen Ökonomie und Ökologie zu analysieren.
Hier jedoch Lösungen zu finden oder auch nur die Unterschiede zwischen den wirtschaftlichen Interessen auszugleichen, das scheint unmöglich zu sein. Dort, wo klare Entscheidungen getroffen werden müssten, treten Kompromisse an deren Stelle, die nicht weiter nach vorn führen, sondern immer nur im Kreis laufen und niemand weiter bringen.
Alle Sachprobleme verstellen dabei nicht nur den Weg in die Zukunft, sie erschweren auch unser Handeln in der Gegenwart. Alles Handeln jedoch hat die Maxime, die Freiheit heißt! Als Freiheit der einzelnen Person war sie eine Errungenschaft des Christentums. Sie räumte jedem Menschen, gleich welcher Rasse und welchem Geschlecht eine unmittelbare Beziehung zu Gott ein.
Diese Freiheit ist nun allerdings nicht ohne feste Bindung möglich. Das gilt für das Verhältnis des Menschen zu Gott wie auch zu den Mitmenschen. (religio heisst ja »binden«) Freiheit ist ein Gut, das man nicht für sich allein haben kann, es ist ein Universalrecht, das für alle Menschen auf dieser Erde gilt! Sie ist das Recht der »Andersdenkenden«, die ihren eigenen Lebensentwurf formulieren und auch dafür eintreten dürfen.
Als Prämisse aber gilt dabei: Freiheit ist ohne Toleranz nicht möglich, weil die Achtung der Freiheitssphäre jedes Einzelnen erst das Zusammenleben möglich macht!
Sie schließt dabei aus, dass religiöse Überzeugungen durch Hetze und Drohungen geltend gemacht werden. Das gilt für den einzelnen Menschen und es gilt demgemäß für Völker.
Und genau hier liegt die Schwierigkeit des Verständnisses zwischen dem politisch motivierten Islam und dem Christentum, das für uns die Grundlage des europäischen Wertesystems ist. Es ist dabei eine Illusion, dass man davon ausgehen kann, dass eine ideologische Koexistenz beide unterschiedliche Systeme auf Dauer im Gleichgewicht halten kann. Auch ein militärisches Patt wird dies nicht schaffen.
Martin Luther sprach von der
»Freiheit des Christenmenschen«. 
An dieser Auffassung scheiden sich die Geister; an ihr kommt niemand vorbei, auch der Islam nicht!
Hannah Arendt, die politische Philosophin (
1906-1975)  sagte einst: »der Grund aller Politik ist Freiheit«Er macht erst das Leben lebenswert - aber das gilt auch für den Islam!


 ©by Wildgooseman

Kommentare:

  1. Mittlerweile lieber Horst sehe und glaube ich fast dass Freiheit nur noch ein innerer begriff des denkens ist, die äußere ist so bedroht, beschmutzt und gebeutelt - ja ausgebeutet worden, wir sind alle so abhängig vom Fortschritt, dem Kanibalismus des aufgefressen werdens von Machtstrukturen der Banken und der Wirtschaft dass an eine tatsächliche Freiheit wie wir sie mal kannten fast nicht mehr möglich ist.

    es wird so wenig debattiert, besprochen und überlegt(um dann zu handeln) wie die Welt, die Natur und die Menschen in ihr zu retten wäre, es wird nur noch von Kompromissen gesprochen die es uns möglich machen zu überleben (und jeder von uns geht sie in irgendweiner weise ein)

    man kann sich vor der Zukunft fürchten - wahrlich - sie trägt ein angsteinflößendes gesicht.
    Grüße in deinen nachdenklichen Text und Tag
    angelface

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  2. Es fehlt die Toleranz auf dem Weg zur Freiheit für alle und auch die Akzeptanz.
    da zu gehört auch der Weg zum frieden, der sehr ,sehr steinig und holprig ist.
    Von Angst lasse ich mich nicht leiten, aber Gedanken mache ich mir über die Zukunft unserer Kinder und Enkel.
    Liebe Grüße Euch. Zur Zeit ist bei uns viel in Bewegung und ich habe viel zutun.
    Herzlichst, Klärchen

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[B]Ich danke Dir für Dein Statement![b/]