4. Dezember 2017

Weihnacht 2017

Und es begab sich zu der Zeit, da mehrere Raketen einschlugen in den Ort, da die Frau und ihr Mann lebten. Und dieser Raketenüberfall war nicht der Erste einer langen Serie und geschah zu der Zeit, als ein größenwahnsinniger Mensch in Syrien an der Macht war.

    Und siehe, der Mann sprach zu seiner Frau: Lass uns gehen in ein anderes Land, auf dass unser Kind in Frieden geboren werden kann!
Und sie machten sich auf und zogen gen Norden, da sie gehört hatten, dort käme man in die Gebiete und Länder, da man in Frieden leben könne.
Und mit ihnen machte sich auch auf eine große Menge an Menschen, die alle den gleichen Wunsch und das gleiche Ziel hatten: In Frieden zu leben.
   Und siehe, es begab sich, dass eine Meldung die Runde machte, dass ein Junge geboren sei. Irgendwo dort hinten im Lager zwischen alten Matratzen und Zeltbahnen, die nie benutzt werden konnten, weil keine Stützen dafür vorhanden waren. Diese waren schon längst in den kalten Nächten verfeuert, als die Temperatur unter 10° Minus sank.

     Und zwischen Stacheldrahtzaun und Blechkanistern und unter einem notdürftig aufgespannten Zeltdach wurde das Kind geboren, denn sie hatten sonst keinen Platz im Lager. Und die Eltern wickelten den Jungen in schmutzige Decken, die noch vor einigen Tagen bei der Überwindung des Stacheldrahts gute Dienste leisteten; diese halfen mit, dem Kinde das Überleben zu sichern. Und man nannte ihn Jehoschua, d.h. Gott ist Hilfe.




   Und siehe: Keines der Tiere war da, von denen man immer gehört hatte. Der Ochse und die Schafe, die das Neugeborene hätten wärmen können, waren schon vor Wochen geschlachtet und verzehrt worden. Und der magere Esel wurde gebraucht, um die Wasserkanister vom weit entfernten Bach ins Lager zu transportieren, da sonst kein Wasseranschluss vorhanden war.
Und es waren noch andere Flüchtlinge auf dem Felde im Lager, die hüteten des Nachts ihre letzten Habseligkeiten, die sie aus den Trümmern ihrer Häuser hatten retten können, da sie ihnen sonst gestohlen würden.

    Und da war kein Engel, der sie tröstete und auch keine himmlischen Heerscharen. Die nämlich waren alle geflüchtet vor den grausamen Truppen. Und statt einer Stimme aus den Wolken hatten sie alle noch den Donner der Raketen im Ohr, die in ihre Städte einschlugen.
    


Und so waren alle Menschen allein dort im Lager, in erbarmungsloser Kälte und ohne Stall und ohne Obdach. Aber alle träumten sie von dem wundersamen Leben in der Ferne, von denen ihnen erzählt worden war. Und alle, vor die es kam, glaubten daran und wollten sich aufmachen, den Frieden in der Fremde zu suchen, sobald das Wetter es wieder zuließ.

     Und wenn sie nicht angekommen sind, haben sie ihr Leben dort verloren, wohin sie ihr Schicksal führte ...



©by Wildgooseman

27. November 2017

Cogito ergo sum

Cogito ergo sum.
Ich denke und mithin so bin ich,
ist das eine nur wahr, ist es das andere gewiß.

Denk ich, so bin ich! Wohl!
Doch wer wird immer auch denken?
Oft schon war ich -
und hab wirklich an gar nichts gedacht! 

(-Friedrich Schiller-)



Denken. Was wären wir ohne Gedanken? Animalische Geschöpfe, lediglich eine Laune, ein Spielzeug des Schöpfers, geschaffen um eine Erde zu bevölkern, damit sie nicht leer sei!
Unsere Vorstellungskraft, unser Verhältnis zur Natur, zu unseren Mitmenschen wären überhaupt nicht existent, es gäbe einfach nur das reine »Da-sein«.
Erst das Denken, unser Denken schafft die Grundlage zum »Tun«! Natürlich können wir auch etwas tun, ohne zu denken. Manche Menschen haben dies zur Maxime gemacht und merken erst später, dass durch Nachdenken -und zwar vorher!- vieles nicht geschehen wäre...

Das aber hat etwas mit Logik zu tun und wäre nun ein Thema für sich!
Es gibt Augenblicke im Leben, da denkt man wirklich zuviel. Das Herz aber denkt nicht, es fühlt nur (nur?) und beachtet dabei keinerlei Hindernisse. Alle Schwierigkeiten im Zusammenleben von Menschen sind Aufgaben zum Denken, zum Nachdenken, und behindern damit das Gefühl für den Anderen!
Wenn ich Zweifel habe, denke ich über diese nach, schalte ich das Gefühl ab und gehe ganz in Gedanken auf.
Das wiederum hindert mich, in liebevollem Miteinander meinen Mitmenschen gegenüber zu treten und damit baue ich gleichzeitig wieder eine Mauer auf, eine Gedankenmauer.
Was also tun? Wahllos und ohne Zögern den anderen Menschen anzunehmen? Das ist schwer, sehr schwer und gelingt mir nicht allzu oft!

Ich denke, also bin ich.
Sicher.
Wer oder was bin ich dann -mit Schiller zu reden- wenn ich nicht denke?
Würde ich dann nicht sein ...?


©by Wildgooseman 

20. November 2017

Traum im Märchenland?

Können Regentropfen reden, während sie zur Erde fallen? Kann es sein, dass sie es nur eilig haben hinunterzukommen? Hätte vielleicht jeder seine eigene Sprache um die Geschichte seines Bruders zu empfinden und zu hören? Oder ist es so, dass alle gleich sind ohne Sinn und eigene Bedeutung und sie hätten sich nichts zu sagen?

Kommt, Freunde, lasst uns doch die Welt einfach mit Märchenaugen sehen, lasst die Hoffnung den Schmerz außer Kraft setzen und Freude die Oberhand gewinnen. Seht doch, wie viel Licht dort hinter dem Schatten ist! Und bitte sprecht leiser, damit die Träume sich nicht fürchten, sie sind doch sehr schreckhaft.
Das Negativum in der Welt versucht immer wieder, lauter zu reden oder sogar zu schreien, damit es sich hinter dem Schleier des »Nicht-verstanden-werden« verstecken kann. Lassen wir es nicht zum Führer durch unser Leben werden und unsere Sinne gefangen nehmen.
Hört ihr den Wind stöhnen und voller Wehmut dahinziehen? Er weht bis zum Gespinst unserer Traumbilder, gleitet weiter in die Unendlichkeit und lässt uns zurück, wenn wir nicht darauf achten. Dann aber ist es zu spät, denn wer nur noch Rückschau hält, verliert den Kontakt zur Gegenwart. Die dann davon hervorgerufene Wirklichkeitsebene wird von unseren Traumschleiern verdeckt, öffnet eine Tür ins Unendliche mit einem Blick auf das Nichts! Wer will das?






Franz Kafka sagt: „Das Glück begreifen, dass der Boden, auf dem Du stehst, nicht größer sein kann, als die zwei Füße ihn bedecken."

Dieses Glück zu haben, zu vervollkommnen, ist eigentlich das Glück überhaupt. Was wissen wir, was erinnern wir noch von dem, das für uns einst selbstverständlich war? Wir wussten doch schon als Kinder, dass Schneeflocken, diese einzigartigen unverwechselbaren Gebilde, weinen können! Wir vergaßen es. Natürlich, die Realität des täglichen Lebens macht es keinem Menschen leicht, in den lichten Höhen der Märchen zu leben.
Aber gerade dieses Nichtwissen und dennoch erinnern macht uns zu einzigartigen Geschöpfen.


Wir dürfen das Wunderbare des Lebens erkennen, wenn wir es nur zulassen. Wir schauen bis zum Horizont, der so fern scheint, doch ein kleiner Schritt reicht, dass er uns gehört.
Das geht nicht? Hast du es mal versucht? Als Kind konntest du es, dir gehörte die ganze Welt. Dann holte die Realität dich ein, von diesem Moment an sprachen die Regentropfen kein Wort mehr, die Schneeflocken weinten nie wieder.
Still! Hörst du sie wieder? Wenn sie schweigen, bist du noch nicht wieder im Märchenland angekommen. Aber du bist auf dem richtigen Weg. Ganz gewiss, denn du träumst wieder.


©by Wildgooseman

18. November 2017

Wie hast du das gemeint?


Viele Spannungen zwischen Menschen entstehen durch Fehlinterpretationen in der Kommunikation. Das bedeutet im Klartext: Wir müssen besser zuhören, auch den Anderen zu Wort kommen lassen, ihm dieses Wort nicht einfach abschneiden, indem wir weiterreden!

Das alte Bonmot hat wirklich immer noch Bestand:
Die Frau fragt ihren Mann: »Warum sagst du nichts? « Er antwortet: »Wann komme ich denn mal dazu?«

Natürlich, wir lachen darüber. Aber ist das wirklich lächerlich? Wir alle sind reizbarer geworden. Wer weiss das nicht - wir kommunizieren grösstenteils nur noch über Foren, Chatrooms und Email-Kontakte. Das mag ja manchmal ganz nett sein, ersetzt das aber die echte Begegnung mit Freunden?
Jene Freunde, die gestern noch für ein zweites Leben »echte« Freunde zu werden schienen, standen plötzlich gesichtslos hinter ein paar Worten.
Hinter welchen Worten, danach wurde gar nicht mehr gefragt, oft stellte es sich heraus, dass beide Gesprächspartner ganz etwas anderes meinten, als das geschriebene Wort es ausdrückte.

Früher, als man von Person zu Person reden konnte - (fast hätte ich gesagt: als die Tiere noch sprechen konnten!) - da wurde etwas Falsches sofort korrigiert, die Interpretation dazu gegeben und Klarheit geschaffen, auch wenn es manchmal nur durch Körpersprache war!
Cyber-Kontakte sind oft mehr schlecht als recht. Sie erhöhen die Missverständnisse, und die »Mäuse, die einen Berg gebären«, können nicht mehr zurückgeholt werden. Durch Chat und Mail-Sprache mit diversen Kürzeln erscheint alles emotionslos. Es ist schliesslich doch so, dass Reaktionen auf Vorangegangenes erst später beantwortet werden können. Zwischenzeitlich werden beide Seiten schon an etwas anderem gearbeitet haben und der direkte Draht ging dabei verloren.

Natürlich, mehrere Chat- und E-Mail-Kontakte bieten auch nette Freundschaften, das ist unbestritten. Aber wenn die andere Person Sie nicht genau kennt, kann eine »Beziehung« in zwei Sekunden unterbrochen werden! Diese Scherben bringen viel längeren und tieferen Schmerz als wenn so etwas nach einem gewöhnlichen verbalen Argument geschieht!
Schließlich muss ja nur die Nachricht gelöscht oder die Person »entfernt« werden, möglich ist auch, man »sperrt« sich selbst.
In der Tat hören wir eben oft nicht mehr genug zu, zum Beispiel im Chat. Es genügt, dass ein Wort falsch aufgefasst wird und es ist keine Chance mehr da, sich zu verteidigen.
Der Eine versucht immer noch, den Kontakt aufzunehmen, weil er den Anderen online sieht - vergeblich! Wann und ob überhaupt noch die Möglichkeit dazu gegeben ist, bleibt eine offene Frage. Aber noch schmerzhafter ist für einige die Tatsache, dass viele Partner einfach keinen Kontakt mehr wollen, da dieses entweder falsche oder fehlinterpretierte Wort dazwischen steht und nicht ausgeräumt werden konnte.

Dies passiert natürlich auch im direkten Kontakt untereinander. Aber längst nicht mit solchen fatalen Folgen, da man ja zeitgleich die Möglichkeit hat, sprachliche Ungereimtheiten auszuräumen, beispielsweise indem man fragt: »Wie hast du das gemeint?«

Wir lesen heute viel über Internet-Freundschaften! Gott-sei-Dank gibt es die, ich selbst wäre der Letzte, der darüber negativ urteilen möchte. Aber es ist auch eine Wahrheit, das viele dieser Bekanntschaften nur Schatten-Freundschaften bleiben, die am Rande des einzelnen Lebens um ihre Daseinsberechtigung kämpfen! 

Ich erinnere dabei nur an die so genannten »FACEBOOK-Freunde«! Nichts und niemand wird mich dazu bringen, diese »Like«-Bekanntschaften als Freunde zu titulieren!

Freunde - auf non-persona-Ebene - ? Nun, es gibt kein anderes gutes Wort dafür, also bleibt es dabei. Vielleicht aber ist das auch ein kleiner Meilenstein zum gegenseitigen Verstehen des anderen Menschen, des anderen Volkes, der anderen Nation? Das wäre dann ein kleiner adventlicher Beitrag zu einem Miteinander in Frieden und Verständnis. Das kann aber nur dann geschehen, wenn beide fragen:
Hast du mich auch richtig verstanden?

©by Wildgooseman

14. November 2017

Entschuldigung, oder?

 

Liebe Freundin, lieber Freund, du lebst auf dieser wunderschönen Erde und freust dich deines Lebens. Du bist zufrieden mit deinem Dasein, wünschst dir eigentlich nur, dass alles so bliebe, wie es gerade ist.
Dann aber, eines schönen Tages, vermisst du deine Vergangenheit. Gestern - wie lange ist das schon her? Wo blieb das Gestern? Wo die Kindheit, wo die Freunde der Jugendzeit? Auf dem Weg des Lebens, diesem verschlungenen Pfad des menschlichen Daseins, ging so viel verloren. Wo blieben die Hoffnungen, die du hattest, als du noch jung warst?
Vermisst du diese vergangenen Zeiten? Warum?
Es ist unnötig. Du hast neue Erlebnisse gehabt, neue Freunde gefunden, eine neue Liebe, die der »ersten« Beziehung auf jeden Fall überlegen ist, weil sie dich als das sieht, das du heute bist: Ein lebendiges Wesen mit Stärken und Schwächen, mit Erfahrungen, die nicht mit Gold zu bezahlen sind, denn du hast aus ihnen gelernt!

Es ist aber auch möglich, dass du nur vergessen hast, dem Gestern Adieu zu sagen. Es kann sein, dass du damals Worte nicht gesagt hast, die du hättest sagen sollen, nicht wahr? Vielleicht war es nur ein kleines Wörtchen: »Entschuldigung«? Und nun ist es zu spät, der Mensch, für den es bestimmt war, ist nicht mehr da, lebt vielleicht nicht mehr.
Ist es wirklich zu spät? Nein, ich denke nicht.
»Das gesagte Wort kann man nicht zurückholen!«
heisst es in einem Aphorismus. Das ist auch richtig, aber das nicht gesagte kann man immer noch aussprechen, kann man zu jeder Zeit noch loswerden. Notfalls vertraut man es einem Blatt Papier oder der Tastatur des Computers an. Auch wenn es vielleicht den Adressaten nicht mehr erreicht: Dir selbst hilft es, dein Gewissen zu erleichtern. Ist das nicht schon viel wert? Zeigt es dir doch, dass du ein Mensch bist, der sicher viele Schwachstellen in seinem Leben hat, der möglicherweise aber durch Umstände daran gehindert war, sich zu äussern. Wenn du das nun änderst, zeigst du dir - und damit auch den Anderen - dass du Fehler zugeben kannst (auch wenn es vielleicht schwer fällt.)


Du kannst es. Platon, der griechische Philosoph sagte einst:
»Die Wahrheit liegt nicht in den Worten, sondern zwischen ihnen.«
Spürst du die Erkenntnis, die in diesen Worten liegt? Natürlich empfindest du es. Wenn es aber so ist, solltest du eines wirklich nicht tun:
Warten, obwohl du nicht mehr warten müsstest!
Etwas wissen, aber nicht ausführen, obwohl es wichtig wäre, es zu tun, kann nicht positiv sein. Es belastet dich selbst und deine Beziehung zu dem betreffenden Menschen! Du wirst es sicherlich nicht gleich wahrnehmen, aber irgendwann in deinem weiteren Dasein kommt es wieder auf dich zurück. Dann stehst du wieder am Beginn, wirst dich wiederum fragen: Wie war es doch damals, warum habe ich nicht so reagiert, wie ich es wollte?

Wir alle, das behaupte ich einfach, sehnen uns oftmals zurück in eine Situation, die überschaubarer ist als jene, in der wir gerade sind. Das dies aber nicht der Weisheit letzter Schluss ist, wissen wir nur zur Genüge. In unserem Dasein geht es zu wie in einer Schachpartie: Ein falscher Zug zeigt Auswirkungen, die verheerend sein können. Ich bin überzeugt, wenn du genügend in deiner Vergangenheit forschst, wirst du gewiss solche »Züge« finden. Mir jedenfalls geht es manchmal so. Dann fallen mir bei etlichen Gelegenheiten Situationen ein, bei denen ich mich frage: Wie war es denn damals? Und schon wäre eine adäquate Lösung parat.
Aber das ist eben nicht der »Deus ex machina«, ist es deshalb nicht, weil die Ausgangslage eine andere war. So geschieht es, dass ständig neue Verhaltensstrukturen auftreten die auch ständig neue Auswirkungen haben. Es ist also nicht richtig, ständig in der Vergangenheit zu schürfen. Es kann keine Vergleichsmöglichkeiten geben! Gestern ist Gestern und Heute ist Heute. Glaubst du, morgen wäre es anders? Nein. 
Es ist somit wichtig, was du heute tust! Wenn es nötig sein sollte, sag ruhig: »Verzeihung!« 
Du vergibst dir nichts dabei, es macht dich nur sympathischer!
»Das gesagte Wort kann man nicht zurückholen!« Wie wahr. Aber dieses Wort dürfen wir ja auch stehen lassen, weil es auch unserer Wahrheit entspricht!

©by Wildgooseman


13. November 2017

Geheimnisvolles Dunkel


Angst. Phobien. Krankheiten unserer Zeit, einer Zeit, die mit psychischen Problemen eigentlich besser fertig werden müsste als frühere Zeitabschnitte. Und dennoch ist es nicht so.
Vor der Dunkelheit haben nicht nur Kinder Angst, auch viele Erwachsene leiden sehr häufig unter diesem Phänomen.
Vielleicht kennst auch du dieses mulmige Gefühl, wenn du abends noch in den Keller musst? Oft vermeidest du dunkle Ecken, wenn du in der Dunkelheit noch einmal nach draußen gehst, ist es nicht so?
In ernsten Fällen kann die Angst vor der Dunkelheit aber auch zu einer richtigen Phobie werden.
Tatsächlich ist die Dunkelheit auch mit etwas Unheimlichen gepaart: Du siehst weniger, kannst dich weniger orientieren und so fühlst du dich im Dunkel auch weniger sicher. 

Geheimnisvolle dunkle Schatten! Es kann auch eine symbolhafte Bedeutung haben für Dinge, mit denen du dich nicht gern beschäftigen willst oder moderner ausgedrückt: die du verdrängst. Oft auch unbewusst.
Hin und wieder aber macht es Sinn, auch mal in die dunklen Ecken zu schauen, denn nur so kannst du dich und deine verschwiegenen Winkel erkennen. Und- glaub mir, es gibt da eine Menge dieser dunklen Ecken! Manche davon nimmst du schon gar nicht mehr wahr, so sind sie zu einem Teil deines Lebens geworden.

Aber Dunkelheit kann auch Schutz sein. Vor Gefahr, vor Entdeckung, kann Zeit zum Ausruhen geben und zur Reaktivierung der Kräfte, die zum Lebenskampf wichtig sind.
Viele Tiere bevorzugen Höhlen als sichere Zuflucht. Dort sind sie geschützt und können, den helleren Eingang im Auge, der eventuellen Gefahr entgegensehen.
Manche Menschen beispielsweise setzen sich in einem fremden Raum ungern mit dem Rücken zur Tür, fühlen sich in solch einer Situation unbehaglich.
(Vielleicht ist dies noch solch ein Relikt aus der Vorzeit, in der unsere Vorfahren noch Höhlen bewohnten?)
Ich selbst habe keine Angst vor geheimnisvollem Dunkel, vor dunklen Waldwegen in mondloser Nacht, nicht vor finsteren Kellern und auch nicht vor dunklen Höhlen!


Als ich vor vielen Jahrzehnten als Bergmann tätig war, hatte ich eine Begegnung mit dem Tod. Und zwar in völliger Dunkelheit in einem eingestürzten Kohlestreb in 800m Tiefe unter Tage. Diese Begegnung dauerte etwa vierzig Stunden lang. Da habe ich verlernt, Angst vor der Dunkelheit zu haben. Und deshalb ist für mich jedes Dunkel auch immer positiv geheimnisvoll. 

Es gibt keinen Grund, Angst zu haben. Es ist stets JEMAND da, der in den dunklen Höhlen deines Lebens Beistand leistet! Auch in Angstsituationen. Vertrau ihm...

Ach ja, noch etwas: Wo Dunkelheit ist, wo geheimnisvolle Schatten Furcht verbreiten, muss doch irgendwo Licht sein! Und je dunkler der Schatten, desto heller das Licht

©by wildgooseman

8. November 2017

Wunder gibt es immer wieder.


»Wunder gibt es immer wieder …« sang einst Katja Ebstein in einem ihrer Erfolgssongs. Tatsächlich, Wunder gibt es zu jeder Zeit und an jedem Ort, aber meist doch anders, als wir es eigentlich erwarten.
Wir wundern uns über eine Welt, in der Attentate geschehen, in der so viele Anschläge verübt werden, Raketen abgefeuert und Kriege geführt werden. Fast täglich hören und lesen wir von Gräueltaten überall auf der Welt. Ist das nun eine Errungenschaft unserer modernen Zeit? Ich denke nicht. Solche Geschehnisse gab es auch schon früher, auch wenn dies oft bestritten wird. Tötungen, Misshandlungen,Vergewaltigungen, Entführungen, all das sind keine Erfindungen der Neuzeit.
Neu ist dabei nur, dass alles Unmenschliche in der Welt durch die modernen Medien heute schneller und weiter kolportiert wird. Wer wusste vor 150 Jahren, was jenseits der Grenzen geschah? Irgendwann einmal kam vielleicht durch Gerüchte eine Tatsache auf, die so unglaublich klang, dass niemand sie richtig glaubten konnte. Kriege? Man hörte davon, wenn schon lange wieder Ruhe eingekehrt war. Betroffen war man nur, wenn etwas im eigenen Land geschah.
Wenn wir nun all das auf unser eigenes Leben reduzieren: ist es nicht schade, wie viel Energie wir manchmal verschwenden, weil wir ein Missverständnis oder ein Problem nicht direkt aus dem Weg räumen oder nicht darüber sprechen wollen? Wie schnell geschieht es doch, dass sich etwas aufstaut. Es beschäftigt einen sehr und irgendwann bricht der »Staudamm«. Ist es nicht schade, dass unsere kostbare Zeit mit so viel unnützen Dingen verschwendet wird? Können wir nicht versuchen, friedlich miteinander umzugehen? Können wir das Leben nicht wirklich genießen?

Vergib den anderen,
nicht weil sie Vergebung verdienen,
sondern weil DU Frieden verdienst.

Dieses Zitat las ich kürzlich in einem Beitrag, ich glaube, es steckt sehr viel Wahrheit dahinter.
Damit aber komme ich zum anderen Teil des am Beginn genannten Liedes: »Wunder gibt es immer wieder …

Ein kleines Mädchen hat sich verlaufen, steht am Straßenrand mit verweinten Augen. Die alte Dame kommt vom Einkauf, sieht das Kind, spricht mit ihm, nimmt es an die Hand und nach kurzer Zeit hat die Mama daheim ihre Kleine wieder.

Ein Schüler wird auf dem Schulhof von Mitschülern gemobbt. Leider kein Einzelfall. Ein älterer Schüler, einige Klassen höher, sieht das, geht dazwischen und schafft es, dass der Junge in Ruhe gelassen wird. Der bedankt sich bei dem Großen, dieser winkt ab und meint nur einfach: »Ruf mich ruhig, wenn du mich brauchst!«

Ein Bus im Linienverkehr fährt pünktlich ab. Die junge Frau, bepackt mit mehreren Taschen, schafft es nicht mehr, den Bus zu erreichen. Nachdem er bereits losgefahren ist, sieht sie der Fahrer noch im Rückspiegel, stoppt und lässt die Frau noch einsteigen. Als die sich dann bedankt, meint er nur beiläufig: »Jeder kommt mal zu spät, ist doch gut, wenn man wartet, oder?«
Siehst du, das meine ich, das sind für mich auch Wunder. Die täglichen Wunder, die man leicht, oft zu leicht übersieht. Diese Kleinigkeiten machen unser Leben lebenswert. Ohne sie wäre alles nur noch trist, öde und kommerziell!

Möglicherweise hast du solche Wunder auch schon selbst erlebt? Trag du auch dazu bei, dass diese Wunder nicht aussterben, gib sie weiter an andere Menschen!
Dann kannst du auch später mit Freude im Herzen sagen: »Wunder gibt es immer wieder!«

©by Wildgooseman

7. November 2017

Die Zeit, die wir haben


Leise klopft der Regen gegen das Fenster. Die eigene Einsamkeit zählt ihre Sekunden, langsam klopft auch der Sekundenzeiger die Zeit weg. Tick-Tack-Tick-Tack … Ist jemand bereit, die aufzuhalten? Niemand kann die Zeit anhalten. Warum sie nicht einfach stoppen? Halt, und jetzt bitte rückwärts.
Aber die Zeit vergeht. Langsam, schnell, je nachdem, wie man es fühlt. Wie man sich fühlt. Wartest du, werden die Sekunden zu Stunden. Befindest du dich mitten in einem Ablauf, werden Stunden zu Sekunden. Die Zeit vergeht, Zeit, die wir niemals wieder zurückbekommen. Vorbei, vergangen, ausgelöscht? Was bleibt von dieser Zeit? Nur Gedanken, Erinnerungen? Zeit, welch ein wunderbares Wort ist dieser Substantiv! Wie viel Erwartung liegt darin, welche Hoffnung vermittelt dieser Ausdruck für das Leben.
Viel Zeit haben! Ist das nicht ein gewaltiger Moment des Glücks? Kann das nicht bedeuten: Ich muss mich nicht beeilen, ich kann alles in der Form machen, in der Ruhe fertig bringen, wie ich es für richtig halte? Zeit haben! Ich habe Glück, denn ich habe Zeit, Unmengen von Zeit …
Aber welch eine Drohung kann dieses Wort »Zeit« beinhalten. Vier Buchstaben, die Angst machen, die das Herz schneller schlagen lassen:
Ich habe keine Zeit mehr
!
Spürst du die Eiseskälte, die dahinter steckt? Wie eine stählerne Wand steht dieser direkte Ausdruck vor dir, hinter dir. Überall ist sie im Raum vorhanden. Das Schlimmste dabei: Du kannst ihr nicht ausweichen, diese Drohung, lässt dich einfach nicht mehr aus ihren Fängen! »Ich habe keine Zeit mehr«.
Da drängt dich jemand zu etwas, das du im Grunde deines Herzens gar nicht willst. Du möchtest die Hände in den Schoß legen, aber jemand verhindert das. Warum? Weil du keine Zeit mehr hast. Vielleicht hast du sie ja vertrieben, durch irgendeinen »Zeitvertreib«? Und nun ist sie weg, deine Zeit.

Nein, nein, noch ist sie da, du hast noch genügend Platz, hast noch Spielraum, um sie zu würdigen, deine Zeit! Nütze sie. Die Zeit, die wir bekommen haben, ist unsere Zeit. Unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft! Alles im Leben wird von unserer Zeit abgezogen. Jede Sekunde, Minute, Stunde. Deshalb ist es so wichtig, diese Augenblicke zurückzubringen, weil sie zu unserer Zeit gehören, diese Gedanken und Erinnerungen.
Sie ist zwar vergangen, kommt niemals mehr zurück, aber wir können uns daran erinnern, an diese unsere Zeit! Mehr als dies ist nicht möglich. Auch wenn ich darüber schreibe, ist dies nur ein Tropfen, der auf einem heißen Stein sofort wieder verdampft.
Und dennoch: Wir sollten behutsam mit unserer Zeit umgehen, denn mehr als wir heute haben, werden wir nie wieder bekommen …

©by Wildgooseman

2. November 2017

Gewinner und Verlierer

Der Lauf ist beendet, das Zielband erreicht. Alle feiern jubelnd den Sieger, der nun endlich feststeht und bekannt gegeben werden kann.
Es war ein spannender Lauf und so manches unerwartete Ereignis brachte auf diesem langen, anstrengenden Lauf Umwälzungen, die so nicht voraussehbar waren.
Bei der Verpflegungsstation beispielsweise auf halber Strecke gab es so manche Rangeleien, die Ordnungskräfte hatten alle Hände voll zu tun.
Natürlich wurde das Durchschnittstempo im Verlauf des Rennens dann doch etwas geringer, der Kräfteverschleiss war schon enorm. Manch einer der Läufer gab unterwegs auf, weil er seine Kräfte überschätzt hatte.
Bei der Hälfte der Strecke setzte sich eine Handvoll Läufer vom Feld ab, legte einen Zwischenspurt ein, bis sich endgültig der spätere Sieger auch von diesen Ausreißern trennte und ganz allein dem Ziel entgegenwankte.
Das Ziel? Dieses Ziel, war es das wert? Das Ziel wurde erreicht, ist das nicht auch ein Sieg? Erster? Letzter? Was zählt da die Reihenfolge. »Dabei sein ist alles!«, hiess einmal ein Schlagwort, neben »Citius, Fortius, Altius« als olympische Gedanken.
Ja ich weiss, das ist schon lange her, dieses Wort wird heute nur noch in  den Mund genommen, wenn jemand aus einem fernen exotischen Land als 386. ins Ziel kommt. Dann nehmen Moderatoren von Funk und Fernsehen gern diesen Satz in den Mund. Mitleidig wird erwähnt, dass Jerome Ataxères ebenfalls angekommen ist.
Gezählt wird aber nur der erste Platz, wer Zweiter wird, hat schon verloren! Der Lauf ist beendet, der Sieger geht erschöpft, aber glücklich nach Hause.
Und die Verlierer? Was ist mit den Verlierern, haben sie nicht auch gelitten unterwegs auf der Strecke?

Als sie Seitenstechen bekamen, als die Beine plötzlich nicht mehr gehorchen wollten, als der Kreislauf schlappmachte, als das Herz anfing zu rasen? Als sie sich auch selbst überwinden mussten, um weiter zu laufen und nicht wie viele andere einfach aufgaben? Was ist nun mit jenen?
Gewiss, sie werden es noch einmal versuchen können, irgendwann. Wieder wird dann dieser unerträgliche Druck auf ihnen lasten, weil ja nur der Sieg allein zählt, ist im Grund alles andere gleichgültig.
Es ist auch unwahrscheinlich, dass es das nächste Mal für den ersten Platz reichen wird!
»The winner takes it all!« hieß einmal ein Schlager, den die Gruppe ABBA sang.
Der Gewinner bekommt alles. Beifall, Preisgeld, Lob, Anerkennung. Für die Masse der Verlierer bleibt nichts mehr übrig. Vielleicht ein mitleidiges Lächeln, eine Geste des Bedauerns - nun, es hat eben nicht gereicht.
Etwas Gutes kann man aber den Verlierern doch mit auf ihren zukünftigen Weg geben: Der Gewinner, mag er heute noch so hoch gehandelt werden und in aller Munde sein, mag er auf allen Titelblättern der Gazetten zu sehen sein - er ist spätestens übermorgen schon vergessen! Dann nämlich gibt es einen neuen Gewinner. Und alles geht wieder von vorn los.
»Morituri te salutant!« So grüßten einst (nach Sueton) im alten Rom die Kämpfer den Kaiser. Die Todgeweihten grüßen dich. Gut, dass es wenigstens das nicht mehr gibt!

©by Wildgooseman

22. Oktober 2017

Gleichung: 2 - 1 = 0


Welch eine Gleichung. Lösbar? Jeder Mathematiker wird seinen Kopf schütteln und »welch ein Unsinn« murmeln.
Frag aber einmal einen Menschen, der von seinem Lebenspartner getrennt wurde. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob freiwillig, unfreiwillig oder durch den Tod.
Zwei weniger Eins ist Null
Wenn aus einem fest gefügten Verbund ein Teil herausgelöst wird, bleibt eine Lücke. In der Natur der Dinge liegt es, dass bestehende Lücken so schnell wie möglich wieder geschlossen werden. Selbst in biologischer Hinsicht wird beispielsweise das Zellmaterial eines lebenden Körpers, menschlich oder tierisch (so weit es noch möglich ist) wieder aufgebaut. Das geschieht ebenso bei vielen Pflanzen und Baumarten. Die Natur, das heisst alle Dinge in der natürlichen Abfolge werden von sich aus immer wieder - und fast ohne Ausnahme - ein fehlendes Glied ersetzen.
Wie grundverschieden ist das doch im menschlichen Leben! 
Bei Verbindungen zwischenmenschlichen Ursprungs kommt da eine völlig andere Sachlage ins Spiel. Hier geht überhaupt nichts »so einfach« weiter. Da bedarf es schon massiver Hilfe von aussen (oder vielleicht auch durch zeitlichem Abstand?), um die Dinge wieder ins rechte Lot zu rücken.
Diese NULL aus der Gleichung wird sich erst nach und nach wieder auffüllen (können); das wiederum hängt mit der Enge der Verbindung zusammen, die vor der bewussten Trennung herrschte. Bei einigen Tierarten beispielsweise ist die Treue lebenslang auch über den Tod hinaus bewiesen!


Aus menschlicher Sicht mag das eine Lösung sein, es ist aber die denkbar schlechteste für den oder die Zurückbleibenden. Soll dieser sich nun im Stil der altindischen Witwenverbrennung selber opfern? Das kann wirklich nicht der Sinn sein. Wem sollte das nützen?
Für die zweite »1« aus der Gleichung wäre es doch das Ende allen vernünftigen Lebens. Kann das die erste »1« wollen? Mit anzunehmender Sicherheit: bestimmt nicht! Und wenn doch: Hat das noch etwas mit Liebe zu tun? 
Soviel Egozentrik mag ich mir gar nicht vorstellen, wenngleich es das bestimmt auch in der Realität gibt.
Ich stelle mir vor, ich würde meine Lebensgefährtin allen Ernstes so fest an mich binden, dass ihr eine spätere neue Beziehung nach meinem Tod nicht mehr möglich ist - (wie immer so etwas Unmögliches machbar sein sollte) - es wäre dann die wahnwitzige Tat eines Irren, die niemals zu entschuldigen sein sollte!


2 - 1 = 0 ? Ich weigere mich, solch eine Gleichung anzuerkennen! Ich stelle dafür die Gegenrechnung auf: 2 - 1 = 1 + x¹ = 2 !

Das jedenfalls ist ein Ergebnis, das allen gerecht wird und auch jede menschliche Regung beinhaltet.
Die Lösung:
                                   Die Liebe
                              ______________  = Unser Leben
                              die Unbekannten

©byWildgooseman