17. Juli 2017

Was ist dahinter?

Als kleiner Junge war ich durch eine Hüftgelenkentzündung für einige Monate stark behindert und an ein Gipsbett gefesselt. Heute würde man solch eine Krankheit sicher völlig anders behandeln, damals im Jahre 1940, dem ersten Kriegsjahr, war der Stand der Medizin noch ziemlich von altertümlichen Strukturen durchsetzt.
Es war das Jahr, in dem ich normalerweise eingeschult werden sollte. Daraus wurde dann nichts, darüber war ich sehr traurig, hatte ich mich doch schon wirklich sehr auf die Schule gefreut. Die gefüllte Schultüte lag noch monatelang im Schlafzimmerschrank versteckt und harrte des Tages, da sie in Gebrauch genommen werden sollte.
Meine Großmutter jedoch hatte Erbarmen mit mir! Sie besorgte mir ein Lesebuch (Fibel), Rechenbuch und Schiefertafel! 
Ob man es nun glauben mag oder nicht: Nach bereits drei Monaten konnte ich fließend lesen und schreiben. Jedenfalls  war es mir möglich, den Nachteil der Bettlägerigkeit ganz toll zu kompensieren, so dass ich später bei meiner tatsächlichen Einschulung sofort in die 2.Klasse übernommen wurde.
Mein allererstes Buch, das ich nach etwa vier Monaten selbständig las, war ein Klassiker: 
»Die Schatzinsel« von 
Robert Louis Stevenson. 

Ich erinnere mich noch genau an die ersten Seiten des Buches. Da ich ja kein Wort Englisch konnte, sprach ich die Namen der handelnden Personen recht deutsch aus. 
z.B. der Squire hiess bei mir S-qu-ire, und Jim natürlich Haw-kins. Im Nachhinein zum Schmunzeln, damals war es aber ganz schön schwierig für einen sechsjährigen Jungen, mit diesen Worten umzugehen.
Jedenfalls hatte ich in diesen langen Wochen ausreichend Zeit, mir immer wieder Gedanken zu machen über Dinge, die ich mir nicht erklären konnte. 

Eine Ungereimtheit ist mir da besonders im Gedächtnis geblieben: Das Blau des Himmels! Es hatte auf mich eine unwahrscheinliche Wirkung, eine Art Übernatürlichkeit, die ich damals nicht ergründen konnte. 

Dieses Coelinblau war mir schließlich so vertraut, dass es fast zu mir gehörte. Ich versuchte, hinter dieser Farbe etwas zu erkennen, etwas Greifbares herauszufinden. Was war hinter diesem Blau?

Mit den Wolken, die vor dem Himmelsblau vorbeizogen, wurde dann die ganze Geschichte noch interessanter, das mannigfaltige Spiel der sich ständig wandelnden Wolkenbilder bekam durch die eigene Fantasie stets neue Nahrung.
 Diese fantastische Wirkung des Himmels mit seinen bizarren Cumulus-Wolkengebirgen oder auch das zarte Gespinst der Zirruswolken zieht mich bis zum heutigen Tage immer noch in seinen Bann.
Was aber war dahinter, was verbarg sich hinter den fantastischen Bilder? Was war hinter dem Blau?
Die Erwachsenen, die ich danach fragte, konnten mir keine ausreichende Antwort geben, die meinem frühkindlichen aber überaus wachen Verstand genügen konnte. Wissenschaftliche Erklärungen wären sicher nicht angebracht gewesen, kindhafte dagegen tat ich als Märchen ab. 

Was also blieb davon?
Für den kleinen Jungen, der noch lange ans Bett gefesselt war, blieb die Frage nach dem »Dahinter« eine offene, ungelöste Aufgabe.
Natürlich weiss ich heute, fünfundsiebzig Jahre später, wie dieses Phänomen zu erklären ist.
Aber ich will es einfach nicht wahrhaben! 

Für mich bleibt dieses Rätsel aus der Kinderzeit ein Relikt aus einer Zeit, als man noch an Wunder glaubte.
Und das unendliche Blau des Firmaments hat seine fantasievolle Anziehungskraft auf mich behalten, ohne dass ich noch fragen muss: Was ist dahinter ...

©byWildgooseman

12. Juli 2017

Ich, fünf Verse eines Gedichts


Ich
bin ein Staubkorn im Wüstenwind.
Zwischen bunten Blumen ein kleines Kind.
Der Tau in der Frühe, der auf Wiesen fällt.
Das Licht am Abend, das Gedanken erhellt.

Ich
bin ein Lied, von Millionen gesungen.
Das Klatschen der Hände in Huldigungen.
Eine Welle im Auf und Ab der Gezeiten.
Ein Kometenschweif in unendlichen Weiten.

Ich
bin die aidskranke Frau mit dem hungrigen Blick.
Der alte Mann, der träumt von vergangenem Glück.
Das Strandgut der Zeit, von keinem vermisst.
Der einsame Star, der kein Idol mehr ist.

Ich
bin Hoffnung und Angst am Rande der Zeit.
Der verlorene Glaube in der Dunkelheit.
Der Baum im Walde, den jeder liebt.
Der Morgen, den es vielleicht nicht mehr gibt.

Ich bin auch DU!
Und was ich lasse, was ich tu -
ich bin auch nichts!
Nur fünf Verse eines Gedichts.



©by Wildgooseman

10. Juli 2017

Waldträume


Wenn die Zeit am Abend schlafen geht,
ganz leise der Wind durch die Zweige weht,
wenn eintönig der Regen rauscht,
und die Natur die Nacht belauscht,
dann erzählen im Wald sich die Bäume
flüsternd ihre tiefblauen Träume.
Sie reden leise in geselliger Runde
oft noch zu mitternächtlicher Stunde
aus ihrer längst vergangenen Zeit,
die schon so unsagbar weit,
vor mehreren hundert Jahren,
als alle Bäume noch Bäumchen waren.

Es gab Sommertage, trocken und heiss,
dann Winterzeiten mit Schnee und Eis,
unbarmherzige Sturmgewalten,
Sie überstanden alles wohlbehalten.
Aber heute, am frühen Montagmorgen
erzittern die Bäume voller Sorgen.

Sie sehen mit ungläubigen Blicken,
wie Bagger dem Wald zu Leibe rücken.
Es stand lange schon im Bebauungsplan:
Wir brauchen die neue Autobahn!
Der Wald muss endlich weichen,
Kiefern, Birken, Buchen und Eichen.

Wir brauchen Platz, das ist ganz klar,
der Autoverkehr wird von Jahr zu Jahr
ständig wachsen, und was dann?
Das fragt sich am Ende jedermann.
Es muss etwas geschehen, und zwar bald!
Wozu brauchen wir eigentlich den Wald?

Wenn abends die Bäume schlafen gehn,
die Winde leise durchs Unterholz wehn,
wenn noch Rehe auf der Lichtung äsen -
ist das schon Vergangenheit gewesen?
Irgendwann erkennt auch der letzte Mann,
dass man ohne Natur nicht leben kann ...

©by Wildgooseman

9. Juli 2017

Ein Paradies mit kleinen Fehlern

Es ist im Grunde genommen noch angenehm kühl, als wir zu unserer Wanderung aufbrechen. Unendlich viele Ginsterbüsche, dieses Gold des Eifellandes, leuchten von fern und nah, ein betäubender Duft liegt in der sonnengeschwängerten Luft. Schon bald aber verändert sich die Kühle des Morgens zu einer sonnendurchwärmten Luft. Tausende verschiedener Insekten bevölkern schon an diesem frühen Morgen den Luftraum über dem Nationalpark Eifel, den wir an diesem Morgen erwandern wollen.
Auf diesem farbenfreudigen Meer von unzählbaren Wildblumen und Kräutern herrscht ein emsiges Treiben. Schmetterlinge vieler Arten gaukeln von Blüte zu Blüte. Bläulinge, Tagpfauenaugen, Weisslinge, Distelfalter und Admirale und noch viele Arten die wir noch nicht kennen, geben sich auf diesem bunten Naturteppich ein Stelldichein.
Dazwischen viele andere Insekten wie Hummeln und Bienen, Schwebfliegen und diverse Käfer. Es ist, als habe die Natur gerade an diesem Tag ihr schönstes Sommerkleid angelegt, um uns zu empfangen.
Nationalpark Eifel

Der Blick geht weit ins Land. Sanfte Hügel, kleine Baumgruppen wechseln ab mit gelbgrünen Flächen, die im Sonnenglast wie Bilder von Cezanne oder Monet in der Landschaft der Provence erscheinen. Wer sagt denn eigentlich, dass nur diese südfranzösische Landschaft diese faszinierende Eigenschaft besitzt? Dieser Nationalpark Eifel kann mit den gleichen Attributen aufwarten, denke ich.
Es ist warm, aber noch gut zu ertragen, nichts hindert uns daran, diesen Tag in Gottes freier Natur so zu erleben, wie sie es verdient: Als einzigartiges Bild der Schönheit und des unbeschwerten Daseins. Wie oft im Leben hat man dieses Gefühl von Freiheit? Kann sein, es geschieht öfter, als wir es spüren, dennoch erkennt man es nicht immer, weil das Eingebundensein in das reale Leben den Blick für das Wesentliche oft verstellt.
Nach etlichen Kilometern hat sich die Luft schon auf Temperaturen erwärmt, die denen der tropischen Länder gleichen. Die Wanderschuhe laufen sich regelrecht in das Land hinein, die Wanderstöcke geben den angestrengten Beinen einen guten Halt.
Dann ein Schild, zu wiederholten Malen gesehen:
Das Betreten ausserhalb der Wege ist mit Lebensgefahr verbunden. Bitte bleiben Sie auf den festen Wegen!
Dies hat natürlich auch einen Grund: Vom Ende des zweiten Weltkriegs an bis noch vor einem Jahrzehnt war dieses Gebiet des Nationalparks noch ein Truppenübungsplatz!
Reste des Ortes Wollseifen 
Viele Munitionsreste liegen dort noch heute in der Gegend verstreut, deshalb dieses Verbot!
Hier wurde auch seinerzeit ein ganzes Dorf [Wollseifen]einfach von allen Bewohnern zwangsgeräumt und dann Jahr für Jahr zusammengeschossen bzw. als Übungsplatz für Häuserkämpfe benutzt. Es passte so prima in die strategischen Lage der Nato-Truppen, in Belgien oder den Niederlanden war eben kein Platz für dergleichen Spielereien ...
Die heutige Landschaft lässt nichts von diesen Ungerechtigkeiten erahnen, sie erscheint sauber und rein wie am ersten Schöpfungstage. Diese Gegend, dieser Naturpark kann ja nichts dafür, dass er lange Zeit so geplagt wurde. Das Land versucht nun seit einigen Jahren, sich so zu regenerieren, dass es wirklich eines Tages zu einem kleinen Paradies werden kann, wenn man es gewähren lässt.

Die langen Steigungen und Gefälle im Auf und Ab des Wanderwegs tun alles, um Anstrengungen auch gefühlsmäßig im Gedächtnis zu behalten. Die Ginsterbüsche in unzähliger Menge tun ihr Übriges, um auch die optische Wirkung des Landes nachhaltig und positiv zu beeinflussen.

Dann nach etlichen Stunden weiterer Wanderung dann wieder ein Wermutstropfen in dieser wunderschönen Landschaft. Vor uns die wuchtigen und wirkungsvoll in die Landschaft gesetzten monumentalen Überreste der früheren Ordensburg »Vogelsang«.
Diese lyrische Bezeichnung täuscht sehr über die damalige Verwendung dieses NSDAP-Internats hinweg.
Hier wurde die »Ordensjunker«, wie sie sich selber nannten, als neue Elite der Nazi-Partei zum Kader der Nation herangebildet, um als »Herrenmenschen« über alle anderen Völker Europas herrschen zu können! 
"Ordensburg" Vogelsang

Zeitweilig waren hier auch die Adolf-Hitler-Schulen untergebracht, das waren die Oberschul-Internate für die jüngsten Schüler - in etwa den Gymnasien gleichgesetzt.
Es ist unwahrscheinlich, wie dieses Bauwerk heute noch seine Anziehungskraft auf die Besucher ausübt. Zwar wird hier in Ausstellungen und entsprechenden Dokumentationen vorbildlich auf die Vergangenheit dieser Schulungsstätten hingewiesen. Dennoch habe ich vielfach von Besuchern sehr viel Positives über dieses Denkmal der NSDAP-Vergangenheit hören müssen! Das hat mir doch sehr zu denken gegeben!
Ich selbst finde es nicht in Ordnung, wenn dort von Besuchern auf eine (wenn auch ruhmlose) Vergangenheit hingewiesen wird.
Irgendwann besteht vielleicht die Gefahr, dass dort eine sakralen Stätte entsteht. Und das wäre das Schlimmste, was diesem Ort geschehen könnte!

Vogelsang liegt hinter uns, Gottlob, ich möchte es auch nicht wiedersehen. Im Gegensatz zu dem wunderschönen Land, das sich uns darbietet. Diese sanfte Hügellandschaft hat einen ganz besonderen Charme, dem eigentlich jeder erliegt, der sich darauf einlässt, Vergangenheit hin oder her.
Die Urft-Talsperre, die wir dann noch vor uns sehen, ist die älteste Eifeltalsperre und schon 110 Jahre alt. Ein Relikt aus alter Zeit, aber sie tut immer noch ihren Dienst. Die Urft, dieser kleine Fluss, der hier zum See aufgestaut wird, ist ein Nebenfluss der Rur (Roer) der schließlich in die Maas (Meuse)mündet.
Urft-Talsperre

Diese sehr schön gelegene Eifellandschaft bietet Ruhe und Geborgenheit dem Urlauber, der sich hierher zurückzieht. Wir jedenfalls fanden die Zeit im Nationalpark Eifel sehr erholsam und können allen Menschen, die wirklich Ruhe suchen, empfehlen, sich auf diese Landschaft einzulassen.
Wenn ich in der Überschrift schrieb «... mit kleinen Fehlern«, so gilt dies nicht für die Schönheit der Natur! Es betrifft lediglich das neu erwachende nationale Bewusstsein hinsichtlich der Vergangenheit, das ich hier angetroffen habe. Das aber ist im Zeitalter des europäischen Zusammenwachsens fehl am Platze.
Der Vergangenheit gedenken, ja, um daraus zu lernen. Aber sobald eine Glorifizierung eintritt, bitte die Notbremse ziehen. Das wünsche ich mir.


Der Abend nimmt uns bei der Rückkehr wieder auf in seiner herrlichen Stimmung mit Blütenduft und Schmetterlingen, mit einem Sonnenuntergang der Extraklasse und wohliger Müdigkeit. Es war ein wunderschöner Tag, der in das eigene Erleben einfliessen wird als Erinnerung an den Nationalpark Eifel, mitten im Herzen Europas ...

Heimwärts ...


©by Wildgooseman

6. Juli 2017

Spurensuche


Wo findest du die Spur
der freien Menschen,
die ihren Willen dem Commerz
nicht unterordnen,
die Stirn dem Leben bieten
und dazu ihr Herz.
Du findest Akzeptanz
nur bei den Heimatlosen,
die in der Mitte der Gesellschaft
stets am Rande stehen.
Du brauchst nur etwas Mut
und dazu dein Herz.
Frag sie nach ihrem Sehnen,
das sie stets verleugnen,
nach ihrem grossen Glück,
das niemals sie gekannt.
Frag sie nach ihrem Schicksal
und frag dazu dein Herz.
Wenn du dich selbst nicht kennst,
schaust nicht zur gleichen Zeit
hinter die eigene Fassade,
bleibst du ein Suchender;
dann gibt es keinen Ruheplatz 
für dein eigenes Herz.
 ©by Wildgooseman

5. Juli 2017

Morgens um halb Acht

Sieben Uhr dreißig
Meine Gedanken schwirren wie kleine Mücken durch den Morgen. Dabei vergisst man schon die Alltäglichkeiten des Tages. Sie sind ganz einfach unwichtig. So wie der Tag an sich, ist heute Montag oder Donnerstag? Was bitte macht das schon aus? Jahre und Monate sind doch nur eine Aneinanderreihung von Tagen, erfunden nur, weil man sonst nicht wüsste, wie alt man ist. Sonst wüsste ja niemand, wann er Geburtstag hat! Das wäre ja eine gewaltige Katastrophe, es gäbe keine Geburtstagsgäste und vor allem keine Geschenke. Nicht auszudenken, so etwas. Und erst der Handel - ganze Warengruppen würden einbrechen, die Blumenläden als Erste.
Wenn heute der sechste September wäre, hätte ich ja eigentlich Geburtstag. Aber es ist nicht der sechste September. Ein Blick auf den Kalender zeigt mir: vierter Juli. Habe also noch acht Monate Zeit bis zu meinem - wievielten? - Geburtstag. Was bitte mache ich jetzt bis dahin? Ich warte auf irgendetwas, das kommen soll, wie in jedem Jahr. Ich habe auch die anderen Jahre gewartet, aber es kam nichts. Es wird auch dieses Jahr nichts kommen, woher auch. Jemand sagte mir, ich müsste meine Erwartungen zurückschrauben. Leicht gesagt, nicht? Wer hat keine Erwartungen, meist sogar übersteigerte, Du doch auch, oder?
Heute habe ich mich aufgerafft, in der Frühe eine kleine Wanderung zu unternehmen. Durch Feld und Flur, wie es im alten Volkslied heisst. Als ich aus dem Haus ging, war der Himmel noch bedeckt. Graue Wolken, blaue Lücken dazwischen. Inzwischen hat sich das Bild verändert. Vorsichtig schaut die Sonne hinter einer Wolkenwand hervor. Was mag sie wohl sehen, den kleinen Menschen hier auf dem Feldweg, der vergessen hat, welcher Wochentag heute ist? Gewiss nicht. Sie - die Sonne - hat andere Sorgen. Oder geniesst sie nur den Tag?

Ich wüsste gern, was die Sonne auf den bunten Kinderbildern mit dem Strahlenkranz denkt! Dort auf dem Feld die Sonnenblumen jedenfalls begrüßen mich mit strahlendem Lächeln. Sie scheinen ihr Ebenbild aus genau diesen Kinderbildern heraus kopiert zu haben. Oder ist es umgekehrt? Wie schön.
<><><>
Die Natur zeigt mir, dass ich noch da bin. Der »kleine Fuchs«, der da vor mir hergaukelt, zeigt mir den Weg zwischen zwei Hecken von wilden Rosen, ihr Duft nimmt mir fast den Atem. Zwischen den blühenden Röschen haben schon einige Hagebutten ihre roten Köpfchen inmitten der tiefgrünen Blättchen hinausgestreckt. Die Natur hat eben ihren eigenen Kreislauf. Bald werden auch die Rosen nicht mehr da sein, verblüht und ohne jede Anziehungskraft für alle Insekten.
Wer denkt denn im Sommer schon an den Herbst? Ist das nicht unnormal? Vielleicht. Jedenfalls weiss ich auch keine Antworten auf alle nebensächlichen Fragen des Lebens. Muss ich doch auch nicht, wozu gibt es denn Google? Ist doch viel bequemer. Und wenn dort jemand seine Weisheit an den Mann oder Frau bringt - wer kontrolliert eigentlich, ob das auch richtig ist? Eine These, aufgestellt und oft genug kolportiert, erscheint in der Folgezeit als unumstössliche Wahrheit.
»Ich hab da nachgegoogelt, es ist alles richtig!« 
Alles nur irgendwie offiziell dargestellte wird ohne Beanstandung übernommen - weil alle es so richtig befinden!
<><><>
Der Weg führt mich weiter zwischen saftig-grünen Wiesen hindurch. Ein Grünfink knabbert an einer Hagebutte, sein Schnabel ist rundherum rot gefärbt von diesem süßen Frühstück. Er lebt, ohne nach dem Sinn seines Lebens zu fragen? Warum leben wir nicht so unbeschwert?
Oder dort an der Distel die kleine schwarzbraune Raupe mit den tausend Härchen. Sie erklimmt mit all ihren Füßchen unbeirrt den hundertmal so hohen Stängel, ohne danach zu fragen, ob sie überhaupt oben ankommt. Und irgendwann - in einigen Tagen - wird aus der Raupe ein wunderschöner Schmetterling. Fragt er danach, ob er früher so unansehlich war?
Ja, ich weiss das doch auch, blöd bin ich nicht, diese Fragen sind selbstverständlich irreal, weil die Insekten ja nicht denken können.
Moment - wissen wir das nun wirklich oder verlassen wir uns da auch auf Google? Hmm - ich weiss, das sind lächerliche Fragen, aber warum dürfen wir das nicht ausdrücken? Nur weil wir keine Kinder mehr sind, dürfen wir doch einfach ins Blaue hinein solche Fragen stellen. Oder siehst du da irgend einen Verbotsparagrafen?
Vielleicht wird man ja gleich weggesperrt, weil man nicht in das Schema passt, dass manch anderer sich von einem alten Menschen macht. Wäre wahrscheinlich gar nicht so selten. Fragen, die ausserhalb der allgemeinen Denkweise angesiedelt sind, könnten an der Substanz der Realität zehren. Das jedoch rüttelt dann an der festen Übereinstimmung mit den Schulwissenschaften. Welch eine Katastrophe!
<><><>
Wenn sich immer alle an die allgemeinen Denkweisen gehalten hätten, würden wir heute noch glauben, dass die Erde eine Scheibe ist! Jeder Teilnehmer einer Kreuzfahrt müsste vorher eine Erklärung unterschreiben, dass er alle Risiken eines Absturzes in vollem Umfang auf sich nimmt. Das wären dann tolle Aussichten, alle Reedereien wären alsbald insolvent! Und die Meyerwerft in Papenburg könnte Papierschiffchen falten ...
Die große Erdhummel dort auf der Sonnenblume sucht für ihr kleines Völkchen nach Nahrung. Fleissig und ohne sich stören zu lassen, fliegt sie von Blüte zu Blüte, unermüdlich. Welch ein kleines Wunder ist sie doch. Ich frage mich, was der Schöpfer sich dabei gedacht hat. Wenn ich mir diese Hummel in Großaufnahme betrachte, sehe ich erst richtig dieses Wunderwerk der Schöpfung! Und als ich sie mir auf die Hand setze - sie tut mir nichts, gar nichts. Ich darf sie mir anschauen, sie hat nichts dagegen. Woher weiß sie, dass ich sie mag?
<><><>
Haben wir etwas anstelle der Natur einzusetzen? Gewiss, wir benutzen Technik, Elektronik, Erfahrung, Geist und Wissen. Dabei vergessen wir oft, dass so manche Bauart beispielsweise aus der Natur übernommen wurde, nur eben in größerer Form. Und die hat sich allemal bewährt. Wie oft wird diese Natur vergewaltigt, bis zur Unkenntlichkeit verändert. Und irgendwann, bei einer Katastrophe, schlägt sie zurück. Dann wundert sich der Mensch, warum dies geschieht!
<><><>
Ja, nun hat mich mein Weg zurückgeführt, nach Hause, zu meinem Domizil. Dorthin, wo Ameisen und Mücken mir wieder beweisen, dass nichts vollkommen ist.
Auch sie haben ihre Daseinsberechtigung. Genauso, wie die Schnecken, die meinen Salat als Leibspeise auserkoren haben!
Jedenfalls war es ein ereignisreicher Morgen, auch wenn er vielleicht sinnlos war. Für mich nicht. Ich liebe die Natur, mit allen Einschränkungen, die sie mir auferlegt. Ich muss nicht alles tun, was mir richtig erscheint; schließlich habe ich meinen Kopf nicht nur für den Friseur ...

©by Wildgooseman

2. Juli 2017

Mausefallendebatte

Im Mäuseparlament wurde schon des Öfteren über diese lebenswichtige Frage beraten. Aber fast immer wurde eine Entscheidung darüber nach heftigsten Debatten, die häufig bis in die tiefe Nacht verliefen, wieder verschoben.Besonders die Fraktionsvorsitzende Franka Nitschowitsch von der oppositionellen LMB-Partei (Liberaler Mäuse-Block)von der man ja schon einiges gewohnt war, trat hier mit aller Schärfe auf.
Nach der Vereinigung mit der Waldmaus-Republik hatte es im Hohen Hause schon des öfteren heisse Debatten über die Sicherheitspolitik gegeben. In dieser Schärfe jedoch war die Diskussion ein Novum.
»Sind wir Menschen? Überlegt doch mal, liebe Freunde, sind wir Menschen? Nein! Müssen wir es denn denen gleich tun und uns gegenseitig das Leben zur Hölle machen? Haben wir überhaupt das Recht dazu?«
Nach diesen Worten der Nitschowitsch kam es im Saale zu einer wilden Pöbelei, laute Zwischenrufe, brüllendes Gelächter, würdeloses Geschrei machte es dem Parlamentspräsidenten fast unmöglich, die Ordnung im Parlament zu behalten. Erst nach einer halben  Stunde hatte er wieder alles unter Kontrolle, nachdem er damit drohte, die Sitzung abzubrechen.
»Bitte, Frau Kollegin, fahren sie fort«, meinte er dann, an die LMB-Abgeordnete gewandt. Frau Nitschowitsch dankte dem Präsidenten, wandte sich wieder an die Abgeordneten im Saal. »Ich darf dann fortfahren, liebe Kolleginnen und Kollegen,«
wollte sie ihren Vortrag wieder aufnehmen, als ein Zwischenrufer von der rechten Seite dazwischenrief: 
»Ja, möglichst weit und ohne Wiederkehr!«
, was ihm dann eine Rüge des Präsidenten einbrachte.
Franka Nitschowitsch lächelte mit verzerrter Miene, sprach dann aber ohne Pause weiter:




»Der menschliche Aphoristiker Werner Mitsch sagte einmal vor Jahren:
 Der Mensch hat die Atombombe erfunden. Keine Maus der Welt käme auf die Idee, eine Mausefalle zu konstruieren. 



Und Sie, meine Damen und Herren von der Regierungsbank, was tun Sie nun anderes, als diesem Grundsatz vollkommen zu widersprechen?
Ja, gerade Sie, - tun Sie doch nicht so scheinheilig, - Sie von der Zentralen Mäuse Partei sollten doch aus der Vergangenheit gelernt haben, nicht wahr? Und was machen Sie?
Sie bauen die modernsten Mausefallen und schicken sie in die entlegensten Orte unseres Planeten, sie mischen sich in die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen allen Mäusearten ein, nur um dabei zu sein. Welch ein Widersinn liegt doch in diesem Tun!
Ich erinnere mich da: Wer waren denn damals die Abgeordneten, die verhindert haben, dass wir den Katzen klingende Erkennungsmerkmale umhängen konnten?

Sehr richtig, Kollege Musheim, das waren die Herrschaften von der ZMP, die dafür sorgten, das alles so blieb wie es war. Und genau das tun Sie heute wieder. Sie überlassen alles dem Zufall und warten wie immer ab, das ist doch Ihre Methode.
Ich rufe jedenfalls dazu auf, dieser Regierung und der Mäusekanzlerin das Misstrauen auszusprechen, damit in unserem Mäusestaat endlich wieder Frieden einkehrt. Stimmen Sie mit JA, wenn Sie für den Frieden sind, wenn Sie den Export von Mausefallen stoppen wollen.«
Nachdem die Oppositionsführerin ihre Rede beendet hatte, rief der Präsident zur Abstimmung auf. Nach einer knappen halben Stunde war diese beendet und das Endergebnis wurde bekannt gegeben:
Das vorläufige Endergebnis:
Abgegebene Stimmen: 120  
Ungültige Stimmen:          4
Mit JA stimmten:              28        
Mit NEIN stimmten:      168

Damit war der Antrag abgelehnt und
alles blieb so, wie es schon immer war ...

©by Wildgooseman

29. Juni 2017

Nicht für die Schule ...


Damals, als ich ein Kind war,
vor Tausenden von Tagen,
bewegten mich schon
eine Reihe von Fragen.

Doch wie ich mich bemühte
Resonanz zu erhalten -
die jungen Leute schwiegen,
es lächelten die Alten.

Woher kommen die Blumen,
die vielen farbigen Falter?
Woher die bunten Gedanken,
von der Kindheit bis zum Alter?

Woher die weißen Wolken,
in des hohen Himmels Ferne?
Woher in dunklen Nächten
all die goldenen Sterne?

Später lernte ich dann lesen,
und das war mein Glück,
nun kamen auf die Fragen
endlich Antworten zurück!

Ich lernte richtig denken,
ich las, ich kombinierte,
es gab dabei fast nichts
was mich nicht interessierte.

Heut gehöre ich zu denen
die im Grunde alles wissen.
So denke ich oftmals -
mit ziemlich gutem Gewissen!

Doch wenn ich heut etwas
schwarz und weiß vor mir seh -
dann kann ich ruhig sagen:
Das ist von gestern der Schnee!

Nichts vergeht so schnell,
wie unsere heutige Zeit.
Was wir heute noch lehren,
ist fast Vergangenheit!


So bleibt uns das Fazit,
egal wie man es dreht:
Lernen ist immer wichtig -
und niemals zu spät!


©by Wildgooseman

28. Juni 2017

Unser Max

Nun ist es endlich so weit. Mit verkniffenem Gesicht und traurigen Mienen stellen wir fest, dass die Zeit unbemerkt da ist:
Unser Max ist in die Jahre gekommen.
Klar, wir hatten ja einige Zeit vorher schon mal so nebenbei darüber debattiert. Es war auch schon nicht mehr zu übersehen, Beulen und Kratzer lassen sich bei ihm nicht einfach mit etwas Make up aus der Welt schaffen. Es ist nun mal so.
Was hat er aber auch nicht schon alles mitgemacht! Wahnsinn, wenn ich daran denke! Damals am Jauchenpass, als er sich hartnäckig weigerte, nach Italien einzureisen und wir ihn mit mehr oder weniger sanfter Gewalt dort hin brachten. Und das pflanzte sich über die ganzen 30 Jahre seines bisherigen Lebens fort. Aber wir liebten ihn bedingungslos, den alten Bully!
Nun muss er weg, das ist nun mal so. Am Besten ist es, den Alten in Zahlung zu geben, nicht wahr?
Also fahre ich erst mal zu meinem Händler. Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass er einige Schätzchen auf seinem wimpelgeschmückten Hof stehen hatte. Als der Händler mich ankommen sieht, huscht ein erwartungsvolles Grinsen über sein Gesicht. Er bemüht sich dann auch enthusiastisch, mir einige tolle Angebote zu machen.
»Ich, ich würde aber gern mein altes Fahrzeug in Zahlung geben«, sage ich nach einer Weile.
»Welches Fahrzeug?« Er zieht erstaunt seine Augenbrauen hoch, guckt mich von oben bis unten an.  »Aha, der da. Na ja, sollte kein Problem sein«, meint er dann, »da schaue ich mal schnell in die Liste, reichen sie mir mal den Fahrzeugschein rüber!«
Er tippt eifrig eine Reihe Zahlen in seinen Taschenrechner.
»Oh«, sagt er dann, »unter der Voraussetzung, dass wir nichts mehr in das Schätzchen hineinstecken müssen, hat er noch einen Wert von 12,50 €.
»Wie viel??«
, frage ich ungläubig.
»Zwölfffuffzig, aber ich kann ja noch mal schauen, vielleicht lege ich noch etwas drauf!«Er geht um unseren Bully herum, seine Augen werden immer größer.
Dann entfährt ihm ein: »Soll das ein Witz sein? Den kann ich mit Schlüssel und Papieren auf dem Hof stehen lassen, den klaut noch nicht mal einer!«
»Och, sage ich, die paar kleinen Beulen ...!«
»Wissen sie was«, sagt er dann, in dem er sich verschwörerisch umschaut, »ich hab einen Bekannten, wenn sie dem 50 Euro geben, haut er den durch die Presse und sie sind ihn los.«
Er wedelt mit den Händen. »Von mir jedenfalls kriegen sie keinen müden Cent dafür.«
Okay, dann eben nicht. Wenn er mir für den Bully nichts mehr geben will, kaufe ich auch nichts bei ihm. Ich fahre also wieder nach Hause.
Am nächsten Morgen finde ich einen Werbezettel unter der Windschutzscheibe:


Wir kaufen gern ihr altes Auto!


Na, denke ich, ist ja mal ein Wort. Ich greife also umgehend zum Telefon und sofort meldet sich am anderen Ende eine mürrische Männerstimme. »Ja, was is?«
Na gut, ist ja früh und der Tag noch jung. »Guten Morgen«, sage ich, »sie wollen mein Auto kaufen?«
»Da weiss ich nix von«, sagt die mürrische Stimme, »bring’n se den ma vorbei!«
»Was bieten sie mir denn dafür?« frage ich. 
»Eh Mann«,
 sagt die Stimme, »Wie soll ich dat denn wissen, ich hab den doch noch nich jesehn! Komm se vorbei!«
Na klar, er hat ja den Bully noch nicht gesehen. Ich mache mich also schnurstracks auf den Weg.
Wieder solch ein fähnchengeschmückter Hof, hübsch hässlich bunt. Aber ich will ja auch kein Kunstwerk betrachten.
»Warum ham se den Wagen nich jleich mitjebracht,« fragt ein kleiner dicker Mann, der zu der Stimme am Telefon passt.
»Hier ist er doch«, antworte ich.
Der Dicke schlägt die Hände über seinem Kopf zusammen. Dann schreit er in hohem Diskant: 
»Der? Der steht noch beim Jüngsten Gericht auf meinem Hof.«
»Aber, guter Mann«
, sage ich, »ich hatte doch heute früh diesen Zettel am Wagen!«
»Das kann nicht sein, das waren bestimmt Kinder. Nee, nee, den nehm se man wieder mit.«

Dann holt er tief Luft, und in dem er sich zu mir herüberbeugt: 
»Aber, wissen se wat? Ick kenn da een, wenn se dem ...« 
Ich winke ab: »Ich weiss schon, wenn ich dem 50 Euro gebe, dann haut er den durch die Presse.«

Nein, dann soll es eben nicht sein, ich nehme ihn wieder mit.
Aber ich hab da eine Idee. Ich stell den Bully als Laube in meinen hinteren Gartenbereich. Dort bleibt er dann schön bunt bemalt als Denkmal an frühere Zeiten stehen. Das hat er schließlich auch verdient!


©by Wildgooseman

27. Juni 2017

KEINE ZEIT

»Oh«, sagte sie. »Jetzt wollte ich noch so viel erzählen. Und auch von dir so vieles wissen! Aber es ist schon zehn Uhr und ich habe keine Zeit mehr. Vielleicht sehen wir uns ja mal bald wieder!«Bei diesen Worten schaute sie schon auf ihre Armbanduhr, hektische rote Flecken im Gesicht bewiesen, das sie tatsächlich keine Zeit hatte.
Nach einigen kurzen Abschiedsworten eilte sie dann zu ihrem geparkten Wagen und ich verlor sie schnell aus meinem Blickfeld.

Schade, hatte ich sie doch seit dem letzten Klassentreffen vor einer Reihe von Jahren nicht mehr gesehen und war darum sehr erfreut, sie so zufällig wiederzufinden.
Sehr nachdenklich ging ich nach Hause, diese Begegnung mit dieser Frau, einer ehemaligen Freundin, ging mir nicht aus dem Kopf. Was muss geschehen sein, wenn die Uhr das Leben bestimmt, wenn die Hetze des Alltags alles so überlagert, dass für alles andere kein Blick mehr übrig ist? Wenn die Zeiger einer Uhr das Leben in viele winzige Segmente zerteilen und alles eingeplant ist bis auf die Minute?


Gewiss, wir Menschen der Gegenwart kommen ohne Zeiteinteilung nicht mehr aus. Es wäre töricht, dies anzuzweifeln. Fahrpläne, Terminkalender, Stundenpläne, Öffnungszeiten usw. – alles hätte keine Existenzberechtigung mehr, es gäbe nichts Verlässliches mehr auf unserer Welt. Wahrscheinlich würde alles in einem gewaltigen Chaos ersticken. Das ist nun mal eine unumstößliche Wirklichkeit und niemand kann dies bezweifeln.Nein, darum geht es doch auch nicht! Es geht hier nur um die Tatsache, dass wir alle uns nur noch von der Uhr und dem Kalender bestimmen lassen, dass diese nicht mehr für uns da sind, sondern wir für sie!
Wir planen weit in die Zukunft hinein, kaufen unser Leben auf Raten und wissen gar nicht, ob wir für all das, was wir hiermit geschenkt bekommen haben, nicht auch eine Verpflichtung eingegangen sind. Irgendwann, zum Glück wissen wir nicht wann, kommt dann die Zeitabrechnung, alle Uhren werden angehalten und unser Terminkalender einfach durchgestrichen.


Wie der Mittwoch kommt,
der Donnerstag kommt,
der Freitag kommt,
kommt auch der Tag,
dessen Datum
du nicht liest in der Zeitung,
dessen Kalenderblatt
ein anderer abreißt.
   (-Rudolf Otto Wiemer- )
 

Ich habe keine Zeit. Ein so oft gehörtes Wort, viele tausend Mal in einem Leben gesagt und meist entsprach es ja auch der Wahrheit. Und doch ist dies ein Satz, der so unmenschlich ist, dass einem davor grauen müsste.
Ich habe keine Zeit! Vielleicht, weil ich sie vertrieben habe? Nur so, zum “Zeitvertreib"? Ich habe mir die Zeit vertrieben, dann tat sie mir auch den Gefallen. Und nun?
Wenn ich jetzt keine Zeit habe, mir keine Zeit nehme, wann dann?

Ich sitze am Straßenrand.
Der Fahrer wechselt das Rad.
Ich bin nicht gern, wo ich herkomme.
Ich bin nicht gern, wo ich hinfahre.
Warum sehe ich den Radwechsel
mit Ungeduld?

               ( -Bertold Brecht-)